Frankfurt: Stinky City?

Die Stadt Frankfurt präsentiert sich ja gern als Green City. Für Menschen, die den ÖPNV als Hauptverkehrsmittel in der Stadt nutzen, z.B. Pendler, Touristen oder umweltbewusste StädterInnen, ist aber eher Stinky City die Bezeichnung, die sich aufdrängt, wenn man sich in der B-Ebene des Hauptbahnhofs oder der Hauptwache aufhalten muss.

Seit 2006 fehlt die Deckenverkleidung über den Gleisen der S-Bahn an der Hauptwache, Tauben nisten dort seit Jahren und verdrecken die Bahnsteige mit ihrem Kot. (Artikel in der FR) An den U-Bahnsteigen der Linien U1 – U3 stinkt es seit vielen Jahren. Das sei der Fettabscheider, antwortete die Verkehrsgesellschaft Frankfurt auf meine Frage vor mehr als zwei Jahren: „Der von Ihnen beschriebene unangenehme Geruch an den Gleisen der U1/2/3 entsteht, wenn der Fettabscheider der Station gereinigt wird.“ Komisch nur, dass es immer stinkt, wenn ich an diesem U-Bahnsteig stehe, zu jeder Tageszeit.

Vor einem Jahr hat der CDU-Stadtverordnete Martin Daum in der Stadtverordnetenversammlung eine kleine Anfrage zur Geruchsbelästigung an der Hauptwache gestellt (Frage F 841 vom 15.3.2013). Die Antwort des schwarz-grünen Magistrats lautete:

„Durch die VGF werden erhebliche Anstrengungen unternommen, die Ursachen für die gelegentlich auftretenden Geruchsbelästigungen in der Station Hauptwache zu lokalisieren und in der Folge zu unterbinden.(…) In diesem Zusammenhang wurde zum Beispiel kürzlich die Hauptentwässerungsleitung gereinigt und ein zentraler Geruchsverschluss eingebaut. (…) Trotz dieser Anstrengungen kann es gleichwohl wiederkehrend zu geringfügigen Geruchsbelästigungen im Zusammenhang mit der Entleerung der Fettabscheider der im Bauwerk untergebrachten Gaststätten kommen.“

Geholfen hat der „zentrale Geruchsverschluss“ nicht und von „geringfügiger Geruchsbelästigung“ kann nur sprechen, wer mit dem Dienstwagen zum Römer fährt oder im Nordend wohnt und deshalb mit dem Fahrrad in die Stadt fahren kann.

Der gleiche Gestank empfängt die Fahrgäste am Hauptbahnhof und er ist so stark, dass er auch in nur kurz haltende S-Bahnen eindringt. Wer aber länger an der Station stehen muss, sollte sich auf jeden Fall eine Nasenklammer besorgen. Der deutschen Bahn sind die Beschwerden über den Kloaken-Gestank seit langem bekannt und auch die VGF hat resigniert: „Dieser Gestank ist nicht in den Griff zu bekommen, räumt Bernd Conrads von der Verkehrsgesellschaft Frankfurt (VGF) ein.“

Wie machen das aber andere deutsche Städte. Warum stinkt es nur in Frankfurt? Das wäre doch eine interessante Frage, der der grüne Verkehrsdezernent Stefan Majer einmal nachgehen sollte.

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10 Gedanken zu “Frankfurt: Stinky City?

  1. Leandra 17. April 2014 / 15:16

    Ja, es stimmt leider. Die Frankfurter U-Bahn hat einen sehr eigenwilligen Geruch. Umso erstaunter war ich bei einem Besuch in Hamburg, dass die U-Bahn Stationen dort tatsächlich nicht nur nicht „riechen“, sondern auch noch hell, freundlich und sauber sind. Alles Punkte, die ich bei meiner ersten Fahrt nach der Rückkehr sehr vermisst habe.
    Vielleicht sollte sich die VGF mal mit anderen Betreibern in Verbindung setzen und ein Ideenaustausch stattfinden.

    • Carmen 17. April 2014 / 20:18

      Auch Berlin, Dresden und München scheinen einen ÖPNV ohne Kloaken-Gestank bereit stellen zu können.

  2. freiedenkerin 17. April 2014 / 19:41

    Vielleicht ist es ja auch das Gebaren der Banken in Frankfurt, das inzwischen so Übelkeit erregend stinkt – Geld stinkt vielleicht doch? Vor allem, wenn es durch Zockereien mit Lebensmitteln, überhohen Kreditzinsen und anderen Mauscheleien angehäuft wurde?

    • Carmen 17. April 2014 / 20:14

      Das wäre aber ein fieser Rachegott, der nur die pendelnden Bankangestellten und nicht die automobilen Chefs bestraft 😉

  3. Stephan Jaeger 22. April 2014 / 14:23

    Da ist mir nach Tagen der Gedanken gekommen, das die Emissionen einer
    Bad Bank unkontrolliert freigesetzt wurden.

    • Carmen 22. April 2014 / 16:32

      Möglich – wenn man nur wüsste, wie man den Gestank in die Vorstandsetagen leitet 😉

  4. Carmen 29. April 2014 / 08:07

    Einen zweistelligen Millionenbetrag würde ein Umbau an der Hauptwache kosten, der die Geruchsbelästigung beseitigt, hat die VGF per Twitter mitgeteilt. Wenn man berücksichtigt, wie viele Menschen diese Station nutzen und in Bezug setzt, dass die Altstadtrekonstruktion über 100 Millionen kosten wird, sollten verantwortliche Stadtpolitiker darüber nachdenken, welche Investition wohl die Lebensqualität der Menschen mehr beeinflusst.

    Durch die Unterlassung sinnloser Maßnahmen zu sparen, wäre auch ein guter Vorschlag an die städtische Verwaltung: In Harheim, dem autofreundlichen Dorf im Frankfurter Norden wurde quasi über Nacht der Fahrradstreifen entfernt, der erst vor wenigen Jahren angebracht wurde. Warum, fragt sich nicht nur der grüne Ortsvorsteher: http://frankfurtharheim.wordpress.com/2014/04/23/23-04-2014-fahrradstreifen-weggefrast-sieht-so-das-neue-radverbindungskonzept-aus/

  5. Carmen 24. September 2014 / 09:28

    Es stinkt seit Wochen nicht mehr an den S-Bahnen-Gleisen. Das ist umso erfreulicher, als derzeit kein Tag ohne technische Störung im S-Bahn-Verkehr vergeht, was die Verweildauer im HBF dramatisch erhöht. Auf hilfreiche Informationen zu den Verspätungen, die ihm ermöglichten, ggfs. zu einem anderen Verkehrsmittel, z.B. der U-Bahn zu wechseln, wartet der Fahrgast indes weiter vergeblich.

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