Philosophicum in Frankfurt: Grüne und Feldmann unsolidarisch

100 Millionen Euro wird die Bebauung des Dom-Römer-Areals in Frankfurt nach Abzug der Erlöse kosten – mindestens. Die Kosten spielen für die schwarz-grüne Stadtregierung aber keine Rolle. Die Verantwortlichen glauben, dass die rekonstruierten Gebäude einmal ein „wichtiger Teil der Frankfurter Erinnerungskultur“ sein werden. Erinnern werden sich die Menschen dann auch an die „Ermöglicher“ Olaf Cunitz (grüner Planungsdezernent) und Uwe Becker (Kämmerer, CDU) – man kann von Politikern nicht wirklich erwarten, dass sie sich eine solche Gelegenheit entgehen lassen.

Frankfurts Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) wiederum lässt selten eine Gelegenheit an sich vorüberziehen, in der er sich als OB des einfachen Mannes, sozusagen als Mitkämpfer der Unterdrückten und Geschlagenen, beweisen kann. Kürzlich geschah das in der Martin-Luther-Straße, wo er einen Mieter besuchte, der sich weigert, aus seiner seit Jahrzehnten unsanierten Nordend-Wohnung auszuziehen, wo er in bester Lage für 340 Euro auf 75 Quadratmeter wohnt (Stadtkind hat darüber berichtet). Für den Eigentümer des Hauses, der Peter Feldmann ebenfalls um ein Gespräch bat, hatte der Oberbürgermeister keine Zeit.

Einig scheinen sich jetzt aber Regierung und Oberbürgermeister in Bezug auf das Philosophicum zu sein. Für das denkmalgeschützte Gebäude am alten Campus in Bockenheim interessiert sich eine genossenschaftliche Wohngruppe (Link auf die Webseite der Projektgruppe), die im Sinne des Erbauers Ferdinand Kramer, Wohnraum schaffen will „für ein lebendiges und solidarisches Miteinander von Menschen unterschiedlichen Alters und unterschiedlicher Herkunft“. Tolle Sache, da müssten sich Grüne und SPD doch einig sein, sollte man meinen, und das Projekt tatkräftig unterstützen. Weit gefehlt.

Obwohl das Gebäude über die ABG Holding der Stadt gehört, und OB Feldmann Aufsichtsratsvorsitzender der ABG ist, scheint das Projekt zu scheitern. ABG-Geschäftsführer Frank Juncker hat mitgeteilt, dass ihm die 7,8 Millionen, die die „Projektgruppe Philosophicum“ für das Gebäude bietet, zu wenig sind. Er habe Interessenten, die zwei Millionen mehr bieten und hochpreisigen Wohnungsbau planen.

Da war aber was los im Römer, oder? Ach was! Natürlich haben die wirtschaftlichen Interessen der ABG-Holding Vorrang, sagt der grüne Fraktionsvorsitzende Manuel Stock. Und Peter Feldmann lässt ausrichten: „Man kann nicht verlangen, dass der städtische Konzern ABG das Haus unter dem Verkehrswert verkauft“.

Aber von dem Privatmann, dem das Haus in der Martin-Luther-Straße 61 gehört, kann man das verlangen, Herr Feldmann?

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3 Gedanken zu “Philosophicum in Frankfurt: Grüne und Feldmann unsolidarisch

  1. Mrs. Mop 20. Februar 2014 / 13:15

    Danke für diesen sehr informativen Bericht, besonders Deine Gegenüberstellung des Dom-Römer-Areals contra das Gezerre um das Philosophicum trifft ins Schwarze.

    Weißt Du von der Demo heute nachmittag (17h Bockenheimer Warte, Rundgang über den Campus) und im Anschluss daran die Veranstaltung im KOZ? Hier kurze Info:

    „Der Campus Bockenheim steht seit Jahrzehnten für eine Kultur der Selbstverwaltung. Das Studierendenhaus mit dem Café
    KOZ muss in diesem Sinne erhalten werden.

    Auch die Projektgruppe Philosophicum will ein Bestandsgebäude erhalten. Zusammen mit dem Mietshäuser Syndikat soll ein Projekt entstehen, das Wohnraum dem Markt entzieht und in dem 150 Menschen solidarisch, selbstverwaltet und bezahlbar wohnen können. Von hier aus werden vielfältige offene Angebote in den Stadtteil wirken. Doch es gibt kein Interesse von Seiten der ABG. Sie fordert einen rein rendite-orientierten Kaufpreis, der jede soziale Nutzung verhindert. Mit der Entscheidung über die Zukunft des Philosophicums wird ein Präzedenzfall für alle weiteren Wohnprojekte auf dem Kulturcampus geschaffen.

    Gegen unternehmerische Stadtpolitik! Wir wollen kein zweites Europaviertel!

    Auf den Kundgebungen entlang der Demo wollen wir die verschiedenen Projekte vorstellen.
    Im Anschluß findet um 19 Uhr im Studierendenhaus eine Informationsveranstaltung des Ortsbeirats und des Stadtplanungsamts zum Bebauungsplan statt.

    Veranstalter: projekt philosophicum, initiative zukunft bockenheim, förderverein roma e.v., offenes haus der kulturen, asta der uni frankfurt“

    Falls Du detaillierte Infos möchtest, sag Bescheid, ok?

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