Rabimmel, Rabammel, Rabumm: Die FNP und die Islamfeinde

„Respekt heißt wörtlich Zurückblicken. Er ist eine Rücksicht. (…) Eine Gesellschaft ohne Respekt, ohne Pathos der Distanz führt in die Skandalgesellschaft.“ (Byung-Chul Han: Im Schwarm. Ansichten des Digitalen)

Heute schreiben alle Frankfurter Zeitungen über den Shitstorm gegen eine Bad Homburger Kita, zu dem ein islamfeindliches Internetforum vor einigen Tagen aufgerufen hat. 240 Mails haben die Stadt Bad Homburg und die Kindertagesstätte daraufhin erhalten, größtenteils mit beleidigendem oder bedrohlichem Inhalt.

Was war der Anlass für die Empörung des Mob? Ein Artikel in der Frankfurter Neuen Presse. Marc Kolbe hatte darin am 30.10.2013 geschrieben, dass eine Bad Homburger Kindertagesstätte aus „Rücksicht auf Mitglieder anderer Kulturkreise“ das St.Martins Fest in „Sonne-Mond-und-Sterne-Fest“ umbenannt habe. Der Artikel hätte normalerweise außer in der eigenen, kleinen Leserschaft keine Resonanz hervorgerufen. Seit dem Relaunch der Website im März sind auch die FNP-Inhalte kostenpflichtig, was erfreulicherweise die Reichweite des Blattes stark einschränkt. Beim Artikel von Marc Kolbe jedoch kam es zu einer besonderen Allianz. Eine dem „rechtsextremen oder rechtspopulistischen Spektrum“ zugeordnete Website hat den Artikel ausführlich zitiert und kommentiert sowie mit der Adresse der Kindertagesstätte versehen. Der Mob hat verstanden und ist der Aufforderung gefolgt. „Wir werden Eure Hütte verbrennen. Wir werden Euch niederschlagen“, heißt es in einer der Mails (zitiert aus der FR vom 7.11.2013)

Jetzt hat der FNP-Artikel aber nicht nur zu einer Allianz mit Islamfeinden geführt, er ist auch noch inhaltlich völlig falsch. Marc Kolbe ist einer Ente aufgesessen. Es gab gar keine Umbenennung, bereits seit über 25 Jahren heißt das Kita-Fest „Sonne-Mond-und-Sterne-Fest“. Liegt der Autor jetzt unter dem Schreibtisch und krümmt sich vor Scham?

Nein, er beharrt:

„Wenn man davon ausgeht, dass die Umbenennung aus Rücksicht auf anders- oder eventuell gar nicht gläubige Menschen vollzogen wurde – und es spricht sehr viel dafür, dass dies ein wesentlicher Grund war – so ist das mit Blick auf eine von uns allen gewünschte Integration sicher keine glückliche Entscheidung und ein falscher Schritt.

und beendet seinen Kommentar in der heutigen FNP mit dem Titel „Nicht spalten“:

„Stramm rechtes Gedankengut spaltet unsere Gesellschaft. Wir als Journalisten distanzieren uns ausdrücklich davon.“

Wir? WIR? Einem biedermännisch-brandstifterischen Gestus einen solch heuchlerischen Kommentar folgen zu lassen, setzt dem Ganzen die Krone auf.

Bemerkenswert ist, dass alle drei Tageszeitungen, die sich heute auf ihre Weise mit dem Thema beschäftigen, zum Frankfurter Societätsverlag gehören, die schlecht recherchierende FNP ebenso wie die linke Frankfurter Rundschau und die konservativ-bürgerliche FAZ.

In meinem kleinen Frankfurter Stadtteil gibt es übrigens Anfang November zwei Feste: die städtische Kita feiert seit jeher ein „Herbstfest“ mit Laternenumzug und anschließender Lagerfeuerromantik, der katholische Kindergarten begeht einen großen St.Martins-Umzug mit Kapelle und Pferdekutsche und anschließendem Würstchenessen auf dem Rathausplatz. Und bei beiden Festen singt das Dorf: Rabimmel, Rabammel, Rabumm.

Advertisements

12 Gedanken zu “Rabimmel, Rabammel, Rabumm: Die FNP und die Islamfeinde

  1. dezembra 7. November 2013 / 10:25

    Sorry, aber das ist totaler Blödsinn.

    • Carmen 7. November 2013 / 10:30

      Sie leben u.a. von der Frankfurter Neue Presse, lese ich auf Ihrer Homepage. Ein bisschen inhaltsvoller hätte der Kommentar aber dennoch sein können.

      • dezembra 7. November 2013 / 10:43

        Ja, allerdings. Und ich ärgere mich gerade sehr über den Vorwurf der angeblich schlecht recherchierten Texte. Ich würde Sie gerne einladen, mal einen Tag lang in unseren Redaktionen zu hospitieren und zu beobachten, wie wir arbeiten – und wie oft wir Informationen gegenprüfen, bis wir sie veröffentlichen.

        • Carmen 7. November 2013 / 10:54

          Es tut mir leid, wenn Sie sich angegriffen fühlen, ich entschuldige mich für die Verallgemeinerung. Meine Zitate aus dem Artikel Ihres Kollegen sind aber alle korrekt, oder?

          Haben Sie gelesen, was der Bad Homburger Sozialdezernent Dieter Kraft in der FR sagt? Es gab keine Umbenennung! Das Fest heißt seit über 25 Jahren so! Nachrichtenwert also gleich null. Ist das keine mangelhafte Recherche? Und sollte es der FNP nicht zu denken geben, dass sie einen rechtspopulistischen Shitstorm provoziert?

          • gnaddrig 11. November 2013 / 20:43

            Und davon ganz abgesehen, wieso sollte ein städtischer Kindergarten überhaupt einen St-Martins-Umzug machen wollen? Bei konfessionsgebundenen Kindergärten in kirchlicher Trägerschaft will ich ja nichts sagen, aber der Staat stellt konfessionsfreie Kindergärten für alle bereit, da sollte man dann auf allzuviel explizit Christliches verzichten (oder im Gegenzug kultur- und religionsübergreifend agieren und vielleicht auch islamische Feiertage einbeziehen).

  2. Carmen 7. November 2013 / 11:14

    Von wegen Recherche:

    „Wenn am heutigen Donnerstag der Laternenumzug der Bad Homburger Kindertagesstätte Leimenkaut startet, werden Beamte von Stadt- und Landespolizei mitlaufen. Sie sollen die Sicherheit gewährleisten. Anlass war ein Bericht in der „Taunus-Zeitung“, die vor einer Woche im Lokalen getitelt hatte: „Mond und Sterne statt St. Martin – Homburger Kita benennt das Martinsfest um“. Die Geschichte legte nahe, dass die Kita nicht zu Sankt Martin einlade, sondern ein „Sonne-Mond-und-Sterne-Fest“ feiere. Mit dieser „Umbenennung“ solle Rücksicht auf die Kinder und Eltern anderer Kulturkreise genommen werden, berichtete das Blatt unter Berufung auf Eltern.(Weiterlesen in der FR)

  3. LOB 7. November 2013 / 16:14

    Danke für die Info und die Geschichte zeigt wieder einmal, wie die Karriere einer Nachricht über die Masche des skandalisierens erfolgreich Aufmerksamkeit generiert – bad news is ….

    Teilen ist das bessere Haben – so wirbt die Telekom, das wäre doch mal eine Überschrift für ein Story zum Martinsfest jenseits des Katholizismus.

    • Carmen 10. November 2013 / 21:40

      Danke für den Link, leider scheint nicht nur das o.g. rechtspopulistische Blog sondern auch der Tagesspiegel von der FNP abzuschreiben, wenn er den Satz zitiert „einige Kitas wollen aus Rücksicht auf andere Religionen künftig lieber ein konfessionsloses „Sonne, Mond und Sterne“-Fest feiern. Nach meinem Kenntnisstand wird in den nicht konfessionsgebundenen Kitas schon immer ein „Laternenfest“ gefeiert. Denn die städtischen Kitas feiern auch keine evangelischen oder sonstigen religösen Feste. Eltern, die das wünschen, geben ihr Kind in eine kirchliche Einrichtung.

      Der FNP-Journalist, der mit seinem Artikel diese ganze verquere Diskussion losgetreten und dafür gesorgt hat, dass der Bad Homburger Kindergarten jetzt im Verteiler von Rechtsradikalen gelandet ist, schreibt übrigens in seiner Biographie: „Selbst eine durch und durch rot getränkte Kommilitonenschar konnte ihn nicht vom rechten Weg abbringen, so dass Marc Anfang der 90er Jahre ohne weiteres für ein Praktikum bei der Taunus Zeitung zugelassen wurde.“

      • regenbogenlichter 10. November 2013 / 22:35

        Das ist gut möglich… ich glaube, inzwischen schreibt da (fast) jeder von jedem ab. Und so verbreiten sich ähnliche Sätze.
        Wie das hier in den städtischen Einrichtungen gehandhabt wird, weiß ich leider auch nicht. Da hier aber überwiegend katholische Bevölkerung ist, wäre ein Martinsumzug gut möglich.
        Für meine Begriffe schadet die Botschaft des Teilens auch keinem Kind. Sellbst die Muslime haben da nichts dagegen.
        Aber vor allem Politiker sollten gut aufpassen, was sie sagen und was von ihnen zitiert wird. Denn die rechten Kreise nutzen auch den kleinsten Fehler für sich aus.

        Und bringen so Leute auf ihre Seite, die nicht drüber nachdenken. Und eigentlich auch nicht rechts denken, nur eben sowas wie den Umzug behalten wollen. Und dafür den
        falschen Sündenbock beschimpfen. In dem Fall die Muslime.
        Das kann schnell mal mit einem Flächenbrand enden. Was von den Rechten ja gewünscht wird.

  4. regenbogenlichter 10. November 2013 / 17:19

    Bei Margot Käßmann ist diese Botschaft offensichtlich auch so angekommen, wie sie erst geäußert wurde…

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s