Coole Werbeträger?

Bis heute wusste ich nicht was Icepeak ist; Hollister und Abercrombie & Fitch kenne ich auch erst, seit über die miserablen Arbeitsbedingungen dort gesprochen wird (zum Beispiel in der Süddeutschen Zeitung, „Würfeln gegen die totale Kontrolle“ von Harald Freiberger oder in der Frankfurter Rundschau: „Pipi im Taka-Tuka.Land“, von Stefan Behr).

Diese angenehme Unwissenheit der angesagten Modelabels endet für Eltern gemeinhin, wenn das Kind auf eine weiterführende Schule geht. Auf einmal sind die Klassenkameraden cool, die weiße T-Shirts mit einem Markennamen tragen und die uncool, die keine Werbung laufen.

Vor ein paar Monaten erhielten alle Eltern unseres neuen Gymnasiums über das interne Schulnetzwerk eine Mail vom Schulelternbeirat: Man würde ja sonst keine Verlustmeldungen herum schicken, aber diesmal doch eine Ausnahme machen, schließlich ginge es um eine teure Hollister-Jacke, die ein Mädchen „verloren“ habe (Anführungsstriche aus dem Original zitiert). Ich war erstaunt. Ist der Verlust einer C & A-Jacke für Eltern mit geringem Einkommen weniger schlimm als der Verlust einer teuren Markenjacke für Wohlhabende? Natürlich nicht, sagte meine Tochter. Dann schreib doch mal darüber in deinem Blog oder diskutier mit deiner Freundin drüber, die bei der Schülerzeitung mitmacht, schlug ich vor. Aber das war ihr zu heikel. Mit 11, 12 Jahren wollen Kinder noch wie alle anderen sein, das Abgrenzen durch Individualität kommt später.

Letzte Woche erhielten wieder alle Eltern eine solche Mail, dieses Mal sei eine Icepeak-Jacke mit einer Aldi-Jacke vertauscht worden, man möge doch bitte mal im Kleiderschrank des Kindes nachsehen.

Ob ich die Einzige bin, die das merkwürdig findet?

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4 Gedanken zu “Coole Werbeträger?

  1. freiedenkerin 14. Oktober 2013 / 20:48

    Ich bin vor einigen Wochen zum allerersten Mal in einer Hollister-Filiale gewesen – und kam mir vor, als hätte man mich auf einen fremden Planeten gebeamt… Der Laden war fast dunkel, die übergroßen Videowände suggerierten mit Möwenkreischen und Meeresrauschen den nahen Ozean, die Musik fast ohrenbetäubend – und die Kassiererin vermutlich mit Absicht langsamer als eine Schnecke – wohl um die wartenden Kunden dazu zu verleiten, noch eines der am Tresen zu Hunderten aufgetürmten Duftwässerchen und „Schnäppchen“ mitzunehmen…

  2. Carmen 14. Oktober 2013 / 20:57

    Letztes Jahr war ich in Barcelona: In der Innenstadt war in jedem dritten Haus ein Desigual-Laden mit dem immer gleichen Sortiment, außerdem stockdunkel und laut.

    Meine Tochter sagt: Die Läden sind so, damit die Mütter draußen bleiben 🙂

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