Frankfurter Buchmesse 2013 – Tag 4

Heute war mein letzter Tag auf der Buchmesse. Zwar war das Gedränge in den Hallen mit den Publikumsverlagen so groß wie in den letzten Jahren (und das Ordnerpersonal an den Rolltreppen ebenso vermuckt), insgesamt habe ich aber das Gefühl, dass es dieses Jahr weniger Besucher waren. Ein Künstler, nach dem ich in den letzten Jahren regelmäßig Ausschau halte, wenn ich bei den Kunstbüchern bin, sagte heute, für ihn würde es sich kaum noch rentieren, nach Frankfurt zu fahren. Ein paar Stände weiter fanden allerdings die Buchkünstlerinnen, die sich zur Gruppe augen:falter zusammengeschlossen haben, regen Zuspruch und ihre bezaubernden Postkarten reißenden Absatz.

Im ARD-Forum sprach Hendrik M. Broder mit Philipp Engel über „Die letzten Tage Europas“ wenig Originelles, aber den Leuten gefiel es. Wer es vergessen hat: Hendrik M. Broder ist der Mann, der im Mai gegen die Vergabe des Ludwig-Börne-Preises an Peter Sloterdijk protestieren wollte, in dem er den seinen, der ihm 2007 verliehen wurde, zurückgeben wollte (und das schon zum zweiten Mal) und dabei vergaß, dass damit auch die Rückgabe des Preisgeldes in Höhe von 20.000 Euro verbunden ist. Ansonsten kennt man Broder als jemanden, der gnadenlos antisemitisches Gedankengut aufspürt. Anfang des Jahres sorgte er für einen Skandal, als er Jakob Augstein (womit ich wieder glänzend die Kurve gekriegt habe ;-)) als „antisemitische Dreckschleuder“ bezeichnete.

Im Lesezelt war es – wie immer, wenn man erstmal einen Platz ergattert hat – gemütlich. Im Anschluss an die Lesungen kaufte ich signierte Bände von Alina Bronskys „Nenn mich einfach Superheld“ und Sarah Strickers „Fünf Kopeken“ und freue mich jetzt aufs Lesen.

Das wars für dieses Jahr von der Frankfurter Buchmesse.

Frankfurter Buchmesse – Tag 1
Frankfurter Buchmesse – Tag 2
Frankfurter Buchmesse – Tag 3

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3 Gedanken zu “Frankfurter Buchmesse 2013 – Tag 4

  1. jfenn 12. Oktober 2013 / 22:21

    Also, der Augstein hats Dir ja angetan dieses Jahr. 😉 Ich halte mich ja beharrlich fern von solchen Fernseh- und Radio-Events, denn die kann man ja auch abends noch nutzen – eben läuft der Divan auf Bayern2 und nachher kommt der Bücherherbst auf DeutschlandRadio Kultur.

    Danke sehr also für Deine Berichte aus den Ecken, die ich auf der Messe unbesichtigt gelassen habe. 😉

    Dieses Jahr war ich zum ersten Mal nur an zwei Fachbesuchertagen auf der Messe. Ich kann deshalb nicht bestätigen, daß es heute weniger Publikum gab. Morgen abend wird es eine Pressemitteilung gegen, in der die Zahl der verkauften Tickets bekanntgegeben wird, die ja auch wieder mit der Zahl der Besucher nicht gleichzusetzen ist. Der Besucherrückgang wäre aber plausibel, denn durch das Internet haben wir ja genaugenommen das ganze Jahr über Buchmesse, rund um die Uhr. Wir sind längst alle zu Experten geworden, wir recherchieren und wir informieren uns und führen unsere Bestellungen selbst aus, beraten uns letztlich selbst. Die Buchmesse zeigt mir deshalb vor allem die Trends im Marketing der Verlage, und auch die Stände sind ja fast nur mit Marketingleuten besetzt.

  2. Carmen 12. Oktober 2013 / 23:16

    Und dabei bin ich gar keine Augstein-Leserin!

    Ob die Veranstaltungen übertragen werden, war für mich bei der Auswahl nicht entscheidend, sondern, ob mich die Bücher und Personen interessieren, ob man am Veranstaltungsort bzw. Stand gut sehen und eine Chance auf einen Sitzplatz hat. Da sind das Blaue Sofa, das Lesezelt, der 3sat-Stand und das ARD-Forum natürlich prädestiniert. Beim Vorwärts-Verlag bin ich sonst auch viel, da hat mich dieses Jahr aber nichts interessiert.

    Ich bin auch gern am FAZ-Stand, nicht nur wegen der Gäste, sondern weil ich mich freue, die Journalisten, die ich sonst lese, einmal live zu erleben. Mein Highlight war dieses Jahr das Gespräch zwischen Nils Minkmar und Carolin Emcke.

    Du hast recht, zur Information brauche ich die Buchmesse nicht, ich gehe ausschließlich wegen der Lesungen, Gespräche und Diskussionen hin. Ich lese Texte anders, wenn ich die AutorInnen gesehen und gehört habe. Und ich schreibe lieber (und hoffentlich besser) über Bücher, wenn ich mich für die Autoren begeistern kann.

  3. jfenn 14. Oktober 2013 / 01:20

    Letzteres ist sicher richtig. (War früher für mich übrigens auch ein Grund, in Vorlesungen an der Uni zu gehen.)

    Und, siehe da, 2,2 Prozent Besucherrückgang im Vergleich zum Vorjahr, sowohl Fachbesucher als auch allgemeines Publikum.

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