Frankfurter Buchmesse 2013 – Tag 1

Als echte Macha (weibl. Form von Macho) finde ich, frau sollte den Tag – respektive die Buchmesse – mit dem Anblick eines schönes Mannes beginnen. Also führte mich mein erster Besuch der diesjährigen Frankfurter Buchmesse am Nachmittag zum Blauen Sofa im Übergang von Halle 5 in Halle 6, wo Jakob Augstein über sein Buch „Sabotage – Warum wir uns zwischen Demokratie und Kapitalismus entscheiden müssen “ sprechen sollte. Augstein wirkte anfangs etwas lustlos, aber mit Bemerkungen wie „Den Deutschen geht es doch gut“ schaffte es Wolfgang Herles doch, ihn aus der Reserve zu locken. Augstein sprach sich für rot-rot-grün im Bund aus, worauf ihm Herles sofort ins Wort fiel („Die Option gibt es nicht!“). Die Antwort von Augstein war klug: Wenn der Affirmationsjournalismus die vorhandene linke Mehrheit als rein rechnerische abtue und behaupte, laut Umfragen wolle die Mehrheit der Deutschen aber eine große Koalition: Warum wählen wir dann überhaupt noch und lassen nicht statt dessen Umfragen über die Regierung entscheiden?

Augstein sagte noch ein paar Sätze zu Occupy („Die Bewegung mit den größten Zustimmungswerten in der deutschen Bevölkerung seit Jahrzehnten, die institutionell leider nicht richtig aufgestellt war“, „Occupy hätte zu seinen Hochzeiten als Manifestation des Volkswillens einen Marsch auf das Reichstagsgebäude anführen sollen und fünf Forderungen deklamieren.“) Sein neues Buch scheint außer einer Anleitung zum Bau von Farbbeuteln noch mehr solcher guter Ideen zu enthalten.

Ob Julia Klöckler, rheinland-pfälzische CDU-Fraktionsvorsitzende, dem Gespräch aus dem gleichen o.g. Grund wie ich lauschte, lässt sich nur vermuten, sie amüsierte sich jedenfalls köstlich.

Jakob Augstein auf dem Blauen Sofa im Gespräch mit Wolfgang Herles (re)
Jakob Augstein auf dem Blauen Sofa im Gespräch mit Wolfgang Herles (re)

Danach besuchte ich den FAZ-Stand, wo Alina Bronsky aus ihrem Buch „Nenn mich einfach Superheld“ vorlas. Ob dies ein Jugendbuch oder ein Buch für Erwachsene sei, wollte Tilman Spreckelsen wissen. Mit dieser Kategorisierung könne sie nichts anfangen – ihrer Ansicht nach lösten sich die Grenzen zwischen den Sparten zusehends auf, meinte sie. (Wer keine Gelegenheit hat, eine Lesung mit Bronsky zu besuchen, dem empfehle ich den Buchtrailer auf Youtube.)

Alina Bronsky am FAZ-Stand im Gespräch mit Tilman Spreckelsen
Alina Bronsky am FAZ-Stand im Gespräch mit Tilman Spreckelsen

Zum Schluss nutzte ich die Gelegenheit, die Preisträgerin des Deutschen Buchpreises 2013 Terezia Mora zu sehen. Nach ihrem Helden Darius Kopp befragt, bezeichnete Mora ihn als etwas infantilen Mann, wie es sie heute viele gäbe. Sie wolle ihm Raum für einen Misserfolg in Würde geben. „Ich suche in Literatur nach Wegweisern und Lösungen“, erklärte Mora.

Die Preisträgerin des deutschen Buchpreises 2013 Terezia Mora (li)
Die Preisträgerin des deutschen Buchpreises 2013 Terezia Mora (li)
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