„Was wir erben“ von Björn Bicker

Die erfolgreiche Theaterschauspielerin Elisabeth wird durch einen Telefonanruf aus der Spur geworfen. Der Anrufer behauptet, ein unehelicher Sohn ihres Vaters zu sein. Sie trifft sich mit ihm und beginnt nach dem Treffen einen langen Brief an den in Amerika lebenden Halbbruder zu schreiben. Der Roman von Björn Bicker „Was wir erben“ ist die Niederschrift dieses Briefes, den Elisabeth während der Theaterferien schreibt. Schauplätze des Romans sind neben ihrem Wohnort München die ostdeutsche Heimat des Vaters Naumburg und Wien, wo Elisabeth ihre Schauspielausbildung absolviert hat und wohin sie im Laufe dieses Sommers zurückkehrt.

Im Deutschlandradio nennt Edelgard Abenstein Bickers Romandebüt eine „subtile Vater-Tochter-Geschichte“, der Spiegel lobt die „rasante, klug gebaute Story“, im Freitag beschreibt Fokke Joel den Roman als mitreißende und klischeefreie Beschreibung eines Identitätskonflikts.

Für mich erzählt der – sehr empfehlenswerte – Roman vor allem die Sinnkrise einer „Frau im gefährlichen Alter“ (geprägt wurde dieser Ausdruck durch das berühmt-berüchtigte Buch von Karin Michaelis: „Das gefährliche Alter“). Bicker zeigt seine Protagonistin als eine Frau, die zwar für einige Monate aus der Spur gerät, aber in dieser Zeit zu einem reifen und freien Menschen wächst.

„Das kannst du knicken, hab ich plötzlich gesagt. Ich hatte nie ein Problem, jeden Scheiß mitzumachen, aber jetzt hab ich keine Lust mehr. Ich verstehe überhaupt nicht, was der ganze Quatsch soll. (…) Wenn ich das höre, Kunst und Leben vermischen sich. Wo denn? Du hast es doch gesehen bei den Improvisationen: Nichts ist passiert. Nichts. Das ist alles Theater. Als ob.

Wenn dich der Umgang der Leute mit dem Fremden empört, dann geh raus aus dem Theater. Geh dahin, wo die Leute leben, die keiner haben will. Hilf ihnen. Mach Theaterkurse im Jugendzentrum, arbeite im Frauenhaus, mach Politik, zettel Unruhen an, aber lass mich mit deiner feigen Kunstscheiße in Ruhe!“

Der Mann, der seiner Protagonistin diese harten Worte in den Mund legt, ist selbst ein Theatermann. Björn Bicker ist Dramaturg und hat 2012 für sein Stück „Deportation Cast“ den Deutschen Jugendtheaterpreis erhalten.

Wer mehr über das Buch und den Autor wissen will: Die hr-Kultursendung Doppelkopf hatte Björn Bicker vergangene Woche als Gast in der Sendung und hier das Podcast zur Verfügung gestellt.

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