Ideen für eine neue Mobilitätskultur

„Auch uns tut es weh, wenn wir Jahr für Jahr die Fahrpreise erhöhen müssen“, betonte gestern Hans-Jörg von Berlepsch (traffiq) beim hr-Info-Abend zum Thema Mobilität und erinnerte damit fatal an Zeiten, als Eltern noch zuschlugen und dem weinenden Kind danach mit dem Satz: „Mir tut es mehr weh als dir“ den Rest gaben.

Das war aber auch schon der einzige aufregende Moment der Veranstaltung “Gemeinsam mobil – Wege zu einer neuen Mobilitätskultur” im Rahmen der Initiative “Frankfurt Green City”. Die grünen Dezernenten Cunitz und Majer wirkten wie zwei Männer, die den ganzen Tag hart gearbeitet haben und jetzt keine Energie mehr für Visionen aufbringen. Das trifft wahrscheinlich auch im übertragenen Sinne auf die Frankfurter Grünen zu. Regieren ist anstrengend und ohne Pragmatismus nicht möglich, was dabei aber verloren geht, ist der utopische Überbau.

Die Vorträge der Mobilitätsforscher Martin Lanzendorf und Konrad Götz („Die illegalen Wege von heute sind die Planungswege von morgen“) waren interessant, aber zu kurz – es lohnt sich nachzulesen, welche Ideen die Forscher haben, z.B. im Interview mit Martin Lanzendorf in der Frankfurter Rundschau: „Unterwegssein ist zu billig“, und im Artikel von Konrad Götz über eine neue Mobilitätskultur in der Wirtschaftswoche.

Gute Ideen hat auch der Verkehrsclub Deutschland, der die jährliche Erhöhung des RMV scharf kritisiert und eine Umlagenfinanzierung des ÖPNV fordert: „Jeder zahlt eine bestimmte Summe – so ähnlich wie beim Semesterticket. Nehmen wir an, jeder der fünf Millionen Einwohner im RMV-Gebiet würde monatlich 15 Euro dafür ausgeben. Dann stünden dem Verbund 200 Millionen Euro mehr im Jahr zur Verfügung. Geld, mit dem die Infrastruktur verbessert werden könnte. Außerdem könnte er Kosten sparen: Es bräuchte keine Fahrkartenautomaten mehr und auch keine Kontrolleure“, wird VCD-Sprecher Holger Greiner in der Frankfurter Rundschau heute zitiert.

Auch die SPD-Fraktion im Römer hatte vor einiger Zeit eine gute Idee zur Qualitätsverbesserung des Frankfurter ÖPNV: Im Etatantrag E 18/2013 fordert sie die Auflösung von traffiq, dessen Geschäftsführer der eingangs erwähnte Jörg von Berlepsch ist. Diese städtische Gesellschaft kostet unnötig Geld, verkompliziert die Strukturen des Frankfurter ÖPNV (siehe dazu meinen Artikel vom 27.6.2012) und ist als Ansprechpartner von Fahrgastbeschwerden ein Totalausfall.

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4 Gedanken zu “Ideen für eine neue Mobilitätskultur

  1. alphachamber 27. Juni 2013 / 10:06

    Sehr guter Artikel!
    Übrigens:-
    „…Männer, die den ganzen Tag hart gearbeitet haben und jetzt keine Energie mehr für Visionen aufbringen…“ Weder das eine noch das andere trifft für die Römer im Römer zu!
    Grüsse

    • Carmen 28. Juni 2013 / 08:41

      Welche Römer im Römer? Meinen Sie die Altherren-Fraktion aus wechselwilligen Fraktionsgeld-Abzockern, angeführt von einem Zahnarzt in Rente, der von der FAG zur FDP zur AFD wechselte und en passant eine ganze Bürgerbewegung durch sein autistisches Verhalten desavouierte?

  2. alphachamber 28. Juni 2013 / 10:38

    Genau – mein Kommentar war ja sarkastisch gemeint. Wollte ich ernsthaft sein, hätte ich geschrieben: …die Gallier. Denn Asterix & Obelix leisteten sicher bessere Arbeit!
    [Was Berufe in der Politik anbelangt, sind mir „Zahnärzte“ , rein grundsätzlich, lieber als die ewigen Schulmeister, Juristen oder Erbsenzähler.]
    Grüße

  3. freiedenkerin 29. Juni 2013 / 20:27

    Sehr viel Geld der jährlichen Fahrpreiserhöhungen – hier in München findet dergleichen auch regelmäßig statt – verbraucht der enorme bürokratische Wasserkopf der entsprechenden Behörde.

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