Wichtigste Fortbewegung: Zu Fuß gehen

In der älter werdenden Gesellschaft ist das zu Fuß gehen die häufigste Fortbewegungsart. Darauf haben Wissenschaftler der Frankfurter Goethe-Universität hingewiesen, die 600 Menschen im Alter von 70 bis 89 Jahren aus den Stadtteilen Schwanheim, Bockenheim und Nordweststadt nach ihren außerhäusigen Aktivitäten befragt hatten.

„Ältere Menschen sind häufig zu Fuß an zentralen Orten im Stadtteil unterwegs und das ist unabhängig davon, wie weit sie von diesen Zentren entfernt wohnen. Die Tagebücher geben Auskunft über mehr als 10.000 Wege an über 7.000 Tagen und zeigen, dass 54 Prozent aller Wege zu Fuß zurückgelegt werden, bei den 80- bis 89-Jährigen sind es sogar 58 Prozent.“ heißt es in einer Pressemitteilung der Universität zur Studie.

In meinem dörflichen Frankfurter Stadtteil sind die meisten Fußgänger ältere Menschen – vor allem Frauen -, Hundebesitzer und Eltern mit Kinderwägen. Es gibt an vielen Straßen zu schmale oder keine Gehwege, vom zentralen Platz des Stadtteils, an dem der Weihnachtsmarkt und andere Vereinsaktivitäten stattfinden, gibt es keine Möglichkeit, sicher die Straße zu überqueren. Die Planung in den achtziger Jahren hat sich ausschließlich am Autofahrer orientiert. Noch heute ziehen die Fußgänger den Kürzeren, wenn der Autofahrer sein Recht auf Parken vor der Tür durchsetzen will. (Link zu meinem Artikel „Freier Gang für freie Bürger“)

Im vergangenen November wurden die BürgerInnen vor Ort von der Frankfurter Rundschau nach ihren Nöten befragt: Fast alle bemängelten die Nahversorgung. Zwar gibt es einen Supermarkt im Stadtteil, der liegt aber am nördlichen Ortsrand und ist für viele Bewohner zwei Kilometer von ihrer Wohnung entfernt. Im Baugebiet, dass aktuell entsteht, ist wieder kein Markt oder Laden vorgesehen. Die Planer orientieren sich weiterhin an der jungen Familie mit Zweitwagen, die höchstens zum Sonntagsspaziergang das Auto stehen lässt.

Positiv für ältere Menschen wirkt sich die langjährige Verbundenheit mit dem Wohnumfeld aus. In meiner Nachbarschaft wohnt eine alte Dame, die schon weit über 90 ist. An guten Tagen stellt sie sich vor die Haustür und wartet auf vorbeikommende Bekannte, mit denen sie plaudern kann, an kalten Tagen bleibt sie am Küchenfenster sitzen. Fast alle, die vorbeigehen, winken ihr zu.

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