Scientology-Gegnerin Ursula Caberta gibt auf

Deutschlands bekannteste und erfolgreichste Scientology-Gegnerin Ursula Caberta hat drei Jahre vor ihrem regulären Renteneintritt einen Auflösungsvertrag mit der Hamburger Innenbehörde unterschrieben. Die von Caberta seit 1992 geleitete Arbeitsgruppe Scientology wurde 2010 vom damaligen CDU-Senat geschlossen.

„Die offizielle Begründung waren Sparmaßnahmen, doch wurde über Wikileaks bekannt, dass der damalige Innensenator Christoph Ahlhaus (CDU) im Hamburger US-Konsulat Gespräche über Caberta führte.“ (Zitat aus „Unerschrockene Kämpferin“ von Frank Nordhausen in der Frankfurter Rundschau vom 13.2.1013)

Danach war Caberta in der Innenbehörde für Aufklärungsarbeit zuständig:

„Doch man kann die Aufgabe nicht machen ohne politische Rückendeckung. (…) Sie können so einen Job nicht machen ohne Mitarbeiter, ohne Pflege der ganzen Registratur. Wir haben zum Thema Scientology mit die größte Sammlung an Büchern und Dokumenten weltweit – so etwas muss gepflegt werden“, sagte Caberta laut FR.

Die Sekte, die ihre Mitglieder mit der Aussicht auf Selbstoptimierung lockt und über einen eigenen Geheimdienst verfügt, verfolgt ihre Kritiker gnadenlos. Ursula Caberta wurde jahrelang bespitzelt und bedroht, aber auch Politiker wie Norbert Blüm oder Günter Beckstein wurden unter Druck gesetzt. Sie bekannten, „dass sie, wann immer sie sich kritisch mit Scientology befassten, Anrufe von US-amerikanischen Konsulaten bekamen.“ (FR)

Wie wichtig die Aufklärung über die Sekte ist, zeigt der Fall eines beruflichen Netzwerks in Esslingen, das von Scientologen unterwandert wurde. Die Mittelständler hatten sich an Caberta gewandt, nachdem sie vom Verfassungsschutz keine Hilfe erhielten.

Auch in Hessen wird Scientology vom Verfassungsschutz beobachtet. Diese Beobachtung, die sich wahrscheinlich in Internet-Recherche erschöpft, kann aber die Beratungs- und Aufklärungsarbeit in keiner Weise ersetzen.

Eine Freundin erzählte mir, dass sie nach ihrer Wahl zur Ortsbeirätin in einem Frankfurter Stadtteil umgehend Post von Scientology erhielt. Die Mitglieder der Sekte sind aktiv in Elternbeiräten von Kindergärten und Schulen und versuchen über impfkritische Veranstaltungen oder mit Kritik am Finanzkapitalismus (die häufig die rechten und antisemitischen Tendenzen der Sekte erkennen lässt) neue Mitglieder zu rekrutieren.

Meine Artikel über Ursula Cabertas Buch „Schwarzbuch Esoterik“ hier und hier.

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4 Gedanken zu “Scientology-Gegnerin Ursula Caberta gibt auf

  1. Carmen 14. Februar 2013 / 11:34

    Kurzer Nachtrag: Seit ich das erste Mal über Scientology schrieb, werde ich auch in den USA gelesen, was man in der wordpress-Statistik sehr schön sehen kann. Und kaum war diese Post über Ursula Cabertas Rückzug veröffentlicht, klickten sie meine Leser von der anderen Seite des großen Teichs auch schon an.

  2. freiedenkerin 14. Februar 2013 / 14:14

    Schade, dass Frau Caberta aufgegeben hat. Menschen mit Chuzpe, einem eigenen Willen und Zivilcourage sind in unserer heutigen Gesellschaft zusehends weniger gefragt, obwohl von den Medien und den Volks(ver)tretern beständig das Gegenteil behauptet wird…

  3. Markus E. 15. Februar 2013 / 07:34

    Diese „Visits“ werden großteils von OSA sein; dem Geheimdienst der Sekte. Dieses Büro überwacht 24/7/365 das Internet, um bei kritischen Veröffentlichungen, mit ihren Propaganda-Kommentaren dagegenzuhalten.

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