Ehegatten-Splitting: Pro und Contra

Zur Verteidigung des Ehegatten-Splittings führt Winand von Petersdorff-Campen, stellvertretender Ressortleiter Wirtschaft der FAZ, an:

„Entgegen vielstimmiger Propaganda ist das Ehegattensplitting kein Steuerprivileg zur Begünstigung der Alleinverdiener- oder Hausfrauenehe. Die Einführung des Splitting hat vielmehr schreiendes Unrecht gegenüber Eheleuten im Vergleich zu unverheirateten Paaren beendet. Maßgeblich war ein Urteil des Bundesverfassungsgerichts Ende der fünfziger Jahre. Es stoppte die Besteuerungspraxis. Bis dahin taxierte das Finanzamt die Eheleute, indem sie deren Einkünfte summierte, als ob diese nur einer verdient hätte. Damit rutschten die Eheleute in einen höheren Steuertarif.“ (Weiter zum FAZ-Artikel vom 26.1.2013)

Den Gegenpart übernimmt Lisa Nienhaus, Redakteurin in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung:

„Das Ehegatten-Splitting, so wie es in Deutschland praktiziert wird, schützt oder fördert nicht die Ehe an sich, wie gerne behauptet wird. Es fördert vielmehr die Ehe, in der die Einkommensunterschiede besonders groß sind, also die Ehe, in der einer sehr gut verdient und der andere zu Hause bleibt. Dabei ist völlig egal, aus welchem Grund jemand zu Hause bleibt.“ (Hier geht es zum Artikel)

Die FAZ-Abstimmung: „Brauchen wir das Ehegattensplitting noch?“ ist nach Lektüre der Argumente der beiden Journalisten übrigens 63 zu 37 Prozent für das Ehegatten-Splitting ausgefallen.

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3 Gedanken zu “Ehegatten-Splitting: Pro und Contra

  1. Uhupardo 8. Februar 2013 / 20:43

    Das Ehegattensplitting an sich ist nicht das Problem, es hat durchaus seine Berechtigung.

    Falsch daran ist nur die Attitude von Schwarz-Gelb, diese fiskalische Figur aus ideologischen Gründen nur verheirateten, nicht aber zusammenlebenden Paaren ohne Trauschein gewähren zu wollen.

    • Carmen 11. Februar 2013 / 18:54

      Ja, so sehe ich das inzwischen auch.

      Das Unbehagen, das ich empfand, als ich die Argumente der Ehegatten-Splitting-Gegner gelesen habe, hat gestern Florentine Fritzen, über deren Buch „Eintopfemanzen“ ich hier geschrieben habe, in Worte gefasst:

      „Wer Kinder bekommt, tut das nicht mit der Absicht, sie möglichst wenig zu sehen. (…) Viele Mütter und Väter arbeiten deshalb Teilzeit. (…) Für diese Paare ist es gut, dass es das Kindergeld gibt. Oder das Elterngeld. Auch ein Familiensplitting könnte helfen. Diese Eltern arbeiten nicht deshalb etwas weniger, weil es diese finanzielle Leistungen gibt, sondern weil sie gern Eltern sind, und weil Beruf oder Karriere im Leben nicht alles bedeuten.“

      (Florentine Fritzen in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung vom 10.2.2013)

  2. Uhupardo 11. Februar 2013 / 19:10

    Vollkommen einverstanden damit.

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