Die gestandene Männlichkeit des Freiherr von Wangenheim

Es ist erst ein paar Jahre her, dass ich mehrmals in der Woche von Freunden oder Kollegen ellenlange Mails mit Witzen erhalten habe. Die Witze waren meist von der Art, wie sie sich Grundschüler gerne erzählen: Mit endlosen Wiederholungen, langsamen Steigerungen und einer früh zu erahnenden Pointe. Schließlich bat ich darum, mich aus allen derartigen Verteilern zu entfernen. Die Mails wurden damals übrigens fast alle von dienstlichen an dienstliche Mailadressen verschickt.

Eine Freundin erzählte mir einmal von einer Bekannten, die es nach einem One-Night-Stand mit einem Kollegen nicht lassen konnte, diesem am Morgen danach eine Mail zu schicken, dummerweise drückte sie beim Abschicken auf die „An Alle“-Funktion.

Wir mussten alle – manchmal schmerzhaft – lernen, uns angemessen in der digitalen Welt zu bewegen. Manche sind noch mittendrin in dem Prozess, zum Beispiel städtische Angestellte, die offenbar glauben, eine Mail sei bloß virtuell, mithin nicht zu beantworten.

Von MandatsträgerInnen sollte man erwarten können, dass sie die Grundregeln der modernen Kommunikation beherrschen. Es reicht nicht ein Foto per Handy verschicken zu können, wie es ein adeliger Stadtverordneter der FDP, Stefan von Wangenheim, vor wenigen Tagen getan hat, man muss auch wissen, dass ein Foto, das die gestandene, äh stehende Männlichkeit des Freiherrn zeigt, nicht privat ist.

Politiker, die so doof sind – von der Geschmacklosigkeit einmal abgesehen – haben im Parlament nichts zu suchen. Der Ausschuss, in dem Freiherr von Wangenheim z.B. Anfragen zum „Kulturtransfer“ stellt, wird auf ihn verzichten können.

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5 Gedanken zu “Die gestandene Männlichkeit des Freiherr von Wangenheim

  1. Carmen 5. Februar 2013 / 10:18

    In seinem Twitter-Profil stellt sich der FDP-Stadtverordnete Wangenheim so vor: „Sprecher f. Bildung, Integration und Kultur, Personalberater und Vater von 2 bezaubernden jungen Damen!“

    Ob die jungen Damen das Verhalten ihres Vaters auch bezaubernd finden?

  2. LOB 5. Februar 2013 / 11:05

    Stefan von Wangenheim ist ja scheinbar so ein Protagonist der kein Fettnäpfchen ausläßt, siehe Kommentar von Jutta Ditfurth http://www.nrhz.de/flyer/beitrag.php?id=17163
    Gibt es wirklich adlige Stadtverordnete? – ich dachte das wäre 1919 abgeschafft worden.

  3. Carmen 6. Februar 2013 / 07:16

    Die Frankfurter Neue Presse hat den Artikel über Wangenheim und sein Genitalfoto gelöscht. Hat dieser einen Anwalt geschickt oder fürchtet die FNP keine Interviewpartner mehr aus den Reihen der Frankfurter FDP zu finden? Bin gespannt, ob die FNP auf meine Anfrage per Twitter antwortet.

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