Kein Rassismus in Frankfurt – Presseschau

Gestern Abend haben in Frankfurt zwischen 1500 und 2000 Menschen gegen Rassismus demonstriert. Anlass war der Fall des Ingenieurs Derege Wevelsiep, der im Oktober laut eigenen Aussagen von U-Bahn-Kontrolleuren beleidigt und von Frankfurter Polizisten krankenhausreif geprügelt wurde (UmamiBuecher berichtete).

Es ist gut, dass die FrankfurterInnen schnell reagieren, ihre Solidarität auf Blogs, Twitter und in Facebook äußern und aktiv werden. Der Fall ist aber auch ein Beispiel dafür, wie in der Zusammenarbeit von alten und neuen Medien Öffentlichkeit hergestellt werden kann. Nur durch den Artikel von Felix Helbig in der Frankfurter Rundschau hat eine breite Öffentlichkeit von dem Vorfall erfahren. Die Menschen, die in den vergangenen Tagen auf meine Webseite gekommen sind, sind überwiegend über die Google-Suche gekommen. Ich schließe daraus, dass es sich um Menschen handelt, die nicht in den sozialen Netzwerken zuhause sind.

Die Frankfurter Rundschau ist ihrer Verantwortung als kritische und liberale Zeitung gerecht geworden, was aber ist mit den anderen Frankfurter Tageszeitungen?

Die Frankfurter Neue Presse hat heute einen lustlosen Artikel über die gestrige Demo abgeliefert, in dem das Mitgefühl der Redaktion ganz auf Seiten der Polizei ist: „Teilnehmer des Aufzugs hätten auf dem drei bis vier Kilometer langen Weg durch die Stadt vereinzelt Böller und Flaschen geworfen, sagte ein Polizeisprecher am Abend. Vier bis fünf Beamte hätten deshalb möglicherweise ein Knalltrauma erlitten.“ (FNP vom 9.11.2012)

Die FAZ hat heute auch erstmals über den Vorfall berichtet. In dem Artikel kommen Grünen-Vertreter der Stadt zu Wort, die das Thema (ebenso wie die Fraktion ELF-Piraten) in der nächsten Stadtverordnetenversammlung am 15.11.2012 auf die Tagesordnung setzen lassen. Bei der gestrigen Kreismitgliederversammlung der Grünen seien auch Forderungen nach sofortiger Suspendierung der beteiligten Polizisten geäußert worden, schreibt die FAZ.

Die Frankfurter Rundschau widmet dem Thema heute nochmals eine ganze Seite. Stefan Behr stellt fest, dass vor allem viele junge Menschen an der gestrigen Demo teilgenommen haben. Felix Helbig berichtet über neue Ungereimtheiten: Offenbar hatten die Polizisten bereits vor Ort telefonisch die Personalien des Ingenieurs geprüft – die Fahrt zur Wohnung, während der Wevelsiep (nach eigenen Aussagen) zusammengeschlagen wurde, sei mithin gar nicht nötig gewesen. Die Staatsanwaltschaft teilte inzwischen mit, dass eine Kontrolleurin des privaten Sicherheitsunternehmen Dussmann aus Berlin Wevelsiep angezeigt habe, weil er sie als „Nazi“ bezeichnet habe. Von den Polizeibeamten sei hingegen, anders als in manchen Artikeln behauptet, keine Anzeige eingegangen. (FR vom 9.11.2012)

Der mit Abstand schlechteste Titel kommt vom Journal Frankfurt. Das Magazin überschreibt einen Bericht über den Polizeiübergriff mit dem Satz: Nach Prügel-Vorwurf: Polizisten schlagen zurück.

(StadtkindFFM hat Fotos von der Demo eingestellt: Klick)

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