Blitzerwarnungen bald erlaubt?

Der erste Autokanzler war Adolf Hitler. Am 28. Mai 1934 wurde per Reichs-Straßenverkehrsordnung verfügt, dass „schematische Geschwindigkeitskontrollen schon im Hinblick auf den Fortfall allgemeiner Geschwindigkeitsbeschränkungen in der Reichs-Straßen-Ordnung zu unterbleiben“ haben.

„Die freie Fahrt für freie Bürger ist also eine faschistische Erfindung“, konstatiert Klaus Gietinger in seinem Buch „Totalschaden – Das Autohasserbuch“.

Heute berichtet die Saarbrücker Zeitung, die Bundesregierung wolle künftig die Warnung vor Blitzern in Navigationssystemen oder Handy-Apps erlauben.

„Das strikte Verbot von Radarwarnern in Navigationsgeräten ist nicht mehr zeitgemäß“, argumentiert der verkehrspolitische Sprecher der FDP Oliver Luksic.

„Nach Erhebungen und Schätzungen von Weltbank und Weltgesundheitsorganisation (WHO) sterben weltweit jährlich etwa 1 Million (Weltbank) bis 1,2 Millionen (WHO 2003) Menschen an den Folgen von Verkehrsunfällen. Die Zahl der Verkehrstoten liegt damit weit über den Opferzahlen von Krieg, Genozid oder Terrorismus.“ (wikipedia)

Tempolimits retten Leben, aber nur wenn sie ernst gemeint und geahndet werden:

„Das Umwelt- und Prognose-Institut errechnete 1997, dass durch ein generelles Tempolimit von 100 km/h auf der Autobahn, 80 km/h auf der Landstraße und 30 km/h innerorts fast 2000 Tote und weit über 100.000 Verletzte weniger zu beklagen sein würden. Rein kostenmäßig brächte das eine Ersparnis von etwa 3 Milliarden Euro jährlich. Davon könnte man sich einige Abwrackprämien leisten. (…) Auch wenn Tempolimits dem Automobilismus nur die Spitze nehmen, zeigt sich hier, dass Tausende von Menschen noch leben könnten und Abertausende von Krüppeln gesund wären, wäre ein scharfes Tempolimit in der BRD frühzeitig und überall eingeführt worden.“ (zitiert aus „Totalschaden“ von Klaus Gietinger, Besprechung folgt)

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2 Gedanken zu “Blitzerwarnungen bald erlaubt?

  1. Stefan 25. September 2012 / 18:09

    Ich bin ein großer Befürworter von einem generellen Tempolimit auf Autobahnen. Allerdings sehe ich die Warnung vor Radargeräten auf dem Navi nicht so kritisch wie Sie. Erstens, Radargeräte dienen primär zur Verkehrsberuhigung, diese Funktion erfüllen sie auch weiterhin. Zweitens, Geräte verschiedener Hersteller haben schon länger diese Funktionalität angeboten (z.B. TomTom, Navigon). Zur wirkungsvollen Durchsetzung der bisherigen Gesetzeslage wäre ein Verkaufsverbot solcher Geräte in Deutschland nötig gewesen (bzw. Verkauf nur mit modifzierter Software). Zumal teilweise nicht ersichtlich war, dass die Nutzung der Funktion in Deutschland nicht erlaubt ist. Drittens, die bisherige Gesetzeslage war paradox: Radarwarnung z.B. über Smartphone-App ja, über Navi nein.

  2. Carmen 25. September 2012 / 18:20

    Auch paradox: Radiosender wie ffh und hr3 halten es noch immer für eine Serviceleistung, Raser zu warnen.

    Solange zu schnelles Fahren ein cooles Kavaliersdelikt bleibt, werden Verkehrstote, wie der 5-jährige Junge in Frankfurt, der an einer für ihn grünen Ampel überfahren wurde, von der Autogesellschaft einfach hingenommen.

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