Europäische Woche der Mobilität

Der Frankfurter Verkehrsdezernent Stefan Majer wirbt heute in der Tagespresse zusammen mit dem Traffiq-Geschäftsführer Hans Jörg von Berlepsch für umweltbewussten Verkehr.

„Der menschenfreundliche Verkehrsdezernent (…) lädt ausdrücklich alle ein, sich beim Thema Verkehr in die richtige Richtung zu bewegen. Richtige Richtung heißt: umweltbewusst, nachhaltig, sicher und klimafreundlich“ schreibt die Frankfurter Rundschau.

Gerne Herr Majer, gerne. Bloß man lässt uns hier im Frankfurter Norden nicht. Um die Alltagswege mit dem Fahrrad zu erledigen, sind die Stadtteile Nieder-Erlenbach und Harheim zu weitab vom Schuss. Und wenn sich die Arbeitsstelle in Niederrad oder Darmstadt befindet und man vorher sein Kind in die Kita bringen muss, ist das Fahrrad leider keine Option.

Deswegen fahren umweltbewusste Frankfurter im Norden ÖPNV, nutzen also Busse als Zubringer zu S- und U-Bahn. Über die mangelhafte Qualität der hiesigen Busverkehrsleistungen wurde in letzter Zeit viel geschrieben. Denn die Bürger sind so sauer, dass der Ortsbeirat Mitarbeiter von Traffiq und Veolia herbei zitiert hat, die den Fallbeispielen der Fahrgäste zuhören mussten.

„Beschweren Sie sich, nur so können wir besser werden“, sagte die Dame vom Beschwerdemanagement.

Wenige Tage später fuhr der Busfahrer der Linie 25 wieder des Nachts einhändig den dunklen Berg von Berkersheim nach Harheim, fröhlich mit dem Handy die Dates fürs Wochenende vereinbarend; zeigten die Busfahrer der schlecht getakteten Linie 28 den Schülern des Riedberggymnasiums eine lange Nase, dass die eine halbe Stunde auf den nächsten Bus warten mussten; und lassen sowohl der Verkehrsdezernent als auch die Mitarbeiter der Beschwerdestelle die Fahrgäste auf Besserung und Antwort warten.

Von meiner Warte aus erschöpft sich grüne Verkehrspolitik derzeit in PR.

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4 Gedanken zu “Europäische Woche der Mobilität

  1. stadtkindFFM 11. September 2012 / 09:46

    Wenn man sich auf die Grünen in Frankfurt verlässt, ist man schnell verlassen.

  2. barbamama 11. September 2012 / 12:04

    Grundsätzlich ist festzustellen, dass durch den Wechsel der Dezernentinnen und Dezernenten in Frankfurt die Qualität merklich nachgelassen hat.
    Was macht eigentlich Sarah Sorge? Oder gibt es bahnbrechende Ergebnisse aus dem Bildungsdezernat?
    Verkehrspolitik wie Tempo 30 auf den Einfallstraßen scheitert in Wiesbaden (hätte man da nicht vorher Gespräche führen können), die Menschen im Norden werden nach wie vor durch viel zu viel Verkehr belastet (fehlende Einhausung im Riederwaldtunnel, A5/A661 in Kalbach ohne Lärmschutz) und dann noch die schlechte Anbindung durch den ÖPNV. Wieso brauchen wir eigentlich eine traffiq, wenn aus dem Hause doch keine oder wenn, nur eine verspätete Standard-Reaktion kommt? Beim ÖPNV raus aus der Privatisierung, hier dürfen nicht primär Wirtschaftlichkeitsbetrachtungen im Vordergrund stehen, sondern die Nutzung des ÖPNV ist allen barrierefrei zur Verfügung zu stellen.

  3. Carmen 4. Oktober 2012 / 08:21

    Und es kommt noch toller: Traffiq hat vor zwei Tagen bekannt gegeben, dass im Frankfurter Norden und Nordwesten fahrplanmäßige Fahrten ausfallen, weil Busfahrer fehlen. Der Subunternehmer Veolia hat den Zuschlag für die Buslinien erhalten, weil er am billigsten war. Offensichtlich sind gute Busfahrer nicht bereit für Dumping-Löhne zu arbeiten. Leidtragende sind die umweltbewussten Verkehrsteilnehmer in Frankfurt. Schon jetzt muss meine Tochter nach der Schule an manchen Tagen 30 Minuten auf den 28er Bus warten, zukünftig müsste sie sich also manchmal ein Taxi nehmen oder eine Stunde warten.

    Wir zahlen als dreiköpfige Familie weit über 2000 Euro jährlich für einen mittelmäßigen ÖPNV, der nur innerhalb Frankfurts gilt, dennoch können die Busfahrer nicht ordentlich bezahlt werden: Es ist an der Zeit für strukturelle Änderungen, worauf wartet der grüne Verkehrsdezernent Majer?

  4. Robert Hanke 6. Oktober 2012 / 16:57

    Kauft Transdev-Aktien und meldet Euch auf den Jahreshauptversammlungen von Veolia zu Wort. Veolia isr nicht den Fahrgästen, sondern alleine den Aktionären gegenüber rechenschaftspflichtig.

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