Früherkennung ist keine Vorsorge!

Heute hat das Bundeskabinett dem Gesetzentwurf von Gesundheitsminister Bahr zugestimmt, der unter dem irreführenden Titel „Krebsvorsorge“ vor allem ein – ohnehin geringes – Risiko weiter vermindert: Ärztearmut.

Es ist ein großes Ärgernis, dass die Begriffe Früherkennung und Vorsorge auch von Politikern und Ärzten synonym verwendet werden, weckt dies doch bei den Menschen völlig falsche Hoffnungen. Denn Krebs verhindern können die regelmäßigen Untersuchungen nicht.

Dennoch sollen zukünftig die Krankenkassen ihre weiblichen Mitglieder nicht nur zur Brustuntersuchung, sondern auch zur Gebärmutteruntersuchung und die männlichen Mitglieder zur Darmuntersuchung auffordern. Die geschätzten Kosten hierfür belaufen sich auf bis zu 60 Millionen Euro.

Wer die Patienten nicht unwissend halten will, muss nicht nur zugeben, dass die Früherkennung eines Krebs-Tumors häufig nur den Diagnose-Termin vorverlegt, nicht aber das Leben verlängert, sondern auch über die Nachteile sprechen. Endlich müssen auch die psychischen Folgen falscher Krebsdiagnosen thematisiert werden.

„Von 1000 Frauen, die über den gesamten Zeitraum von 20 Jahren hinweg regelmäßig am Screening teilnehmen, können fünf Frauen damit rechnen, vor dem Tod durch Brustkrebs bewahrt zu werden. Ebenfalls fünf Frauen werden unnötig zu Brustkrebspatientinnen, weil ihr Krebs ohne Früherkennung nicht auffällig geworden wäre. Bei 50 Frauen wird eine Gewebeprobe entnommen, die sich dann als unauffällig herausstellt.“ (Frankfurter Rundschau vom 30.7.2010 „Der Preis der frühen Diagnose“)

Die SZ schreibt in einem ebenfalls sehr guten Artikel vom September 2010:

„Der Satz „Vorsorge rettet Leben“ ist falsch!“ (Süddeutsche Zeitung: „Wo bleibt die Fürsorge in der Vorsorge“)

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Ein Gedanke zu “Früherkennung ist keine Vorsorge!

  1. Hackentrick 23. August 2012 / 09:34

    (Mindestens) 60 Millionen Euro… das ist ein Markt, an dem viele Kräfte partizipieren wollen und das Thema daher gewaltig forcieren. Ich warte auf die Regierung, die sich traut (und es schafft), unser Gesundheitssystem gehörig aufzuräumen!

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