Keine Macht den Doofen!

Dass jemand, der besonders laut lacht, noch lange nicht witzig ist, beweist kaum eine besser als Hella von Sinnen. Da ich keine EMMA-Leserin mehr bin und auch nur selten Privat-TV sehe, blieb mir ihr Anblick lange erspart. Vor einigen Tagen aber zappte ich in eine Maischberger-Talkshow-Runde, die einem Grusel-Kabinett ähnelte. Den ehemaligen Fernsehpfarrer Jürgen Fliege, der sich heute in der Esoterik- und Scientology-Szene tummelt, eint mit Hella von Sinnen (selten hat ein Name so gepasst) und der Astrologin Mauretania Grego der Glaube an Horoskope, Tarotkarten und anderen Schnickschnack. Die ganze Angelegenheit war peinlich für alle Seiten und tat dem Ansehen von Frau Maischberger nicht gut (siehe auch Kritik des Spiegel: Esogeschnatter im Sommerloch. Von Christoph Twickel). Das kritische Denkvermögen wurde an diesem Abend von Michael Schmidt-Salomon verkörpert, der vor der „sanften Verblödung“ durch Esoterik warnte.

Den Philosophen Schmidt-Salomon habe ich gerade erst durch die Lektüre seines Buches „Keine Macht den Doofen“ kennengelernt. Das Buch ist äußerst lesenswert und bietet auf 110 Seiten einen gut strukturierten Überblick über die menschliche Dummheit. Beginnend bei der „Religiotie“ der drei großen Weltreligionen über die Schwarmdummheit der Ökonomen bis zur „heiligen Einfalt“ in der Politik vermittelt das Buch die Erkenntnis, dass die Menschheit nach wie vor weit unterhalb ihrer intellektuellen Leistungsfähigkeit agiert. Doch neben der mit ordentlich Wut vorgetragenen Kritik an der Macht der Dummen bietet Schmidt-Salomon auch Wege weg vom „Homo demens“ hin zum Homo sapiens und empfiehlt das Gelee Royale der Bildung:

„Schere dich um Argumente! Gehe den Dingen auf den Grund! Sei ein Narr, der gegen die Absurditäten des Systems aufbegehrt – kein Tor, der der dummen Herde folgt! Passe dich herrschenden Gepflogenheiten nicht an, wenn sie himmelschreiend blöde sind, sondern frage nach dem Sinn des Ganzen!“

Hier geht es zur Website von Michael Schmidt-Salomon.

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3 Gedanken zu “Keine Macht den Doofen!

  1. uhupardo 2. August 2012 / 21:07

    Wenn es noch jemanden braucht, der dieses Buch unbedingt empfiehlt: ich! Die relativ wenigen Seiten sind so gut investiert wie selten!

  2. davidwonschewski 3. August 2012 / 09:43

    Ja, Schmidt-Salomon ist hervorragend. Und die von Sinnen – tja, mir ist durchaus bekannt, dass viele von den Comedynasen durchaus größere Entertainmentqualitäten haben als wir ihnen durch unsere etwas vorgefertigte Anti-Privatfernsehen Grundhaltung zubilligen. Viele von denen sind ja seit Jahren auf Kleinstbühnen unterwegs oder regional sehr beliebt gewesen, bevor es auf der Mattscheibe abging. Aber bei der von Sinnen rätsel ich auch bis heute. Sie kann wohl wirklich als Pionierin des „man muss nicht unbedingt etwas können, um bekannt zu werden“-Fernsehens eingeordnet werden.Ich lasse mich da aber gerne verbessern, wenn ich da über ebenso vorgefertigte Wissenslücken verfüge…

  3. Carmen 3. August 2012 / 10:27

    Oh, ich pflege meine „vorgefertigte Anti-Privatfernsehen-Grundhaltung“ sehr sorgfältig, damit sie auch weiterhin ein gut poliertes Schutzschild vor medialer Verblödung bietet. Meine Wissenslücken hingegen versuche ich mit Lektüre wie z.B. dem Buch von Schmidt-Salomon zu füllen.

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