„Der Euro hat Europa gespalten“ (Max Otte)

„Die Finanzoligarchie, bestehend aus Investmentbanken, Hedgefonds, Schattenbanken, Ratingagenturen ist die derzeit dominierende zivile Weltmacht.“ (Max Otte)

Obwohl mir kaum eine Talkshow entgeht, die sich mit der Finanzkrise beschäftigt, ich ständig Artikel und Blogs zum Thema lese, habe ich noch immer keine fünf verständlichen Sätze parat, um ein nachhaltiges Gespräch mit einem unbedarften Nachbarn oder einer unpolitischen Freundin über die Krise zu führen.

Gestern war in der Frankfurter Rundschau ein Interview mit dem Wirtschaftsprofessor Max Otte, der bereits im April 1998 prophezeite, dass die Euro-Zone in zehn Jahren ein großes Problem bekommen wird. Nach dem ich das Interview (hier klicken) gelesen habe, bestellte ich mir umgehend (als e-Book) sein Buch „Stoppt das Euro-Desaster!“, das bereits vor einem knappen Jahr erschien, aber zum Verständnis der Krise noch immer hochaktuell ist.

Das Buch hat 48 Seiten und kostet nur 3,99 Euro (und damit weniger als z.B. ein Mini-Cappucino im Frankfurter Kaffeehaus „Bitter und Zart“), es ist gut lesbar und empfiehlt sich auch als Gastgeschenk für die nächste Grillparty-Einladung.

Warum ist das so wichtig? Weil wir uns nicht mehr auf unsere gewählten Politiker verlassen können, egal welcher Partei sie angehören. Alle Maßnahmen, die die Politik in den vergangenen Jahren zur Bekämpfung der Krise eingeleitet hat, haben die Situation verschlimmert.

Bei den Schuldigen handelt es sich um weltweit operierende Banker außer Rand und Band und feige und unwissende Poltiker. Hier einige Namen:

Angela Merkel (CDU), die sich von skupellosen Investmentbankern wie Josef Ackermann das „Finanzmarktstabilisierungsgesetz“ entwickeln ließ, also genau von jenen, die die Krise zu verantworten haben.

Joschka Fischer (Grüne), der sich 1998 vehement einer Regulierung der Finanzmärkte widersetzte und heute einen Hedgefonds „berät“.

Peer Steinbrück (SPD), der 2008 eine zornige Rede über Brandbeschleuniger in der Krise hielt und dieser nichts als Symbolpolitik folgen ließ.

Jean-Claude Juncker, „Demagoge“ (Max Otte), versucht Alternativen zur „Euro-Rettung“, wie zum Beispiel geordnete Staatsinsolvenzen, mit dem Schüren abstruser Kriegsängste zu verhindern.

Positiv erwähnt Max Otte den FDP-Politiker und ESM-Kritiker Frank Schäffler und die Linke Sarah Wagenknecht. Über Letzere sagt er, sie habe sich intensiver mit ökonomischen Fragen auseinander gesetzt als Wolfgang Schäuble (CDU).

Max Otte plädiert in seinem Buch nicht für einen grundlegenden Wechsel der Gesellschaftsordnung. Mit fünf einfachen Regelwerken und Reformen könne das Finanzsystem gerechter und stabiler werden:

1. Feste Mindesteigenkapitalanforderungen für alle Finanzakteure zur Erhöhung von Transparenz und Sicherheit
2. Größenbegrenzungen für Finanzdienstleister zur Begrenzung der Marktmacht
3. Die Trennung von Geschäfts- und Investmentbanking und die Regulierung der Geschäftsmodelle zur Verhinderung von Spekulationen der Banken mit den Kundeneinlagen
4. Die Einführung einer Finanztransaktionssteuer zur Dämpfung der Spekulation
5. Die Gründung einer staatlichen Ratingagentur

Und uns Bürgern gibt Otte auf den Weg: Schaffen Sie ihr Geld zu einer genossenschaftlichen Bank. Werden Sie Volkskapitalist und investieren Sie in solide deutsche und europäische Unternehmen.

Max Otte: Stoppt das Euro-Desaster! Ullstein Verlag; 3,99 Euro; 48 Seiten.

Advertisements

7 Gedanken zu “„Der Euro hat Europa gespalten“ (Max Otte)

    • Hackentrick 16. Juli 2012 / 13:06

      @uhupardo: Bei aller berechtigten Kritik übersiehst Du, dass Ottes Buch bereits in 2011 veröffentlicht wurde. Seither hat sich die Situation natürlich weiter verschärft.

      Ottes Publikationen sind m. E. generell eine Empfehlung wert (beispielsweise auch „Der Informationscrash“). Er zeigt deutlich und verständlich die Fehler auf, beschreibt die Konsequenzen für uns ‚Normalbürger‘ und nennt die Verantwortlichen beim Namen.

      Dass man neben Prof. Max Otte auch die Veröffentlichungen anderer Autoren (auch von Blogartikeln) zur Kenntnis nehmen darf, ist ja unbestritten 😉

  1. Carmen 15. Juli 2012 / 22:08

    Das mag sein, uhupardo.

    Aber die meisten Deutschen, vor allem aus dem Osten, hören gar nicht weiter zu, wenn sie solche Sätze lesen: „Der Kapitalismus ist somit durch die subjektlose Herrschaft des marktvermittelten Prinzips der Kapitalverwertung gekennzeichnet. Einzelne Akteure – selbst die mächtigsten Banker und Kapitalisten – fungieren nur als Charaktermasken ihrer ökonomischen Funktion. “

    Ich bin deshalb schon froh, wenn die Leute bereit sind, sich jenseits der üblichen Griechenland-Schelte mit dem Thema zu beschäftigen. Und ein Max Otte ist da kein schlechter Einstieg.

  2. Carmen 16. Juli 2012 / 08:38

    Ja, darüber bin ich als deine treue Leserin auch froh.

    Aber im Widerspruch zur marxistischen Sichtweise bin ich durchaus der Ansicht, das wir die Akteure beim Namen nennen müssen und das es Menschen sind, die Geschichte machen. Wenn wir Leuten wie Ackermann die Anerkennung verweigern, ist das ein wichtiger Schritt zu einer lebendigen Demokratie.

  3. uhupardo 16. Juli 2012 / 13:47

    Hackentrick:
    Keinerlei Widerspruch, kein bisschen. Ich habe das auch nicht aus Lesersicht kommentiert, hätte ich besser dran schreiben sollen.

    Es folgte dem Moment, in dem ich mich innerlich darüber ärgerte, dass absolut brillante Leute wie Tomasz Konizc ihr gesamtes Hirnschmalz, ihre Zeit und den Aufwand einsetzen, um die Situation (nur) zu beschreiben statt sie ändern zu helfen. Das ist gut und wichtig, keine Frage, aber es ist eben zu wenig, gerade von solchen Leuten. Hier sein voriger Artikel und ganz unten in den Kommentaren der Link zum neuesten Text.
    Meine Bemerkung hier war also nicht an Carmen oder andere Otte-Leser gerichtet sondern an Otte selbst. Ich hoffe, das ist jetzt verständlicher.
    http://uhupardo.wordpress.com/2012/07/13/wer-ist-schuld-an-der-krise/

    Carmen:
    Ich bin auch der Ansicht, dass man Ross und Reiter nennen darf. Allerdings muss man dabei SEHR aufpassen. Es ist sehr einfach, einen Ackermann als Feindbild hinzustellen und damit haben wir dann die Schuld „wegprojiziert“. Zu simpel. Wer noch nie eine Restaurantquittung dem Finanzamt untergeschoben hat, der werfe den ersten Stein.
    Ich kann schon Herrn X für eine falsche Entscheidung anklagen und das begründen, sehr legitim. Wenn es aber darum geht (und darum geht es oft leider), diesmal statt „Juden“ eben „Bankster“ hängen zu wollen, ist das nur dieselbe Seite der Medaille in anderem Licht und dient ausschliesslich dazu zu vernebeln, dass praktisch alle dasselbe tun, jeder auf seinem Niveau, und Hauptsache man ist selbst nicht schuld.
    http://uhupardo.wordpress.com/2011/11/16/banker-langweilig/

  4. Carmen 16. Juli 2012 / 17:16

    Josef Ackermann gehört wie Milton Friedman zu denen, die ihre Macht nutzen, um die Gesellschaft neoliberal umzubauen.

    Ich lese jetzt Stephan Schulmeister „Mitten in der großen Krise – Ein New Deal für Europa“. Bald mehr dazu.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s