Den Banken zuliebe geopfert

An den meisten Menschen ist die Nachricht wohl vorbeigegangen: Der Bundesschatzbrief ist tot. Die schwarz-gelbe Bundesregierung hat diese Woche bekannt gegeben, dass sie das 1969 von der Großen Koalition entwickelte Wertpapier, mit dem Bürger sich an Investitionen des Staates beteiligen konnten, sterben lässt.

Der Erfinder des Produkts, der ehemalige Ministerialdirektor Wilhelm Hankel hat in einem Interview mit der FAZ sein Befremden über diese Entscheidung ausgedrückt:

„Das Bundesschätzchen gehörte zu einem Staat, der sich auf seine Bürger stützt und nicht nur auf die Banken“ (…) „und wurde für viele Jahre zu einer wichtigen Finanzierungsquelle für den Bundeshaushalt“, erläutert Hankel im FAZ-Interview vom 7.7.2012.

Auf die Frage, ob sich der Staat heute lieber Geld bei den Kapitalmärkten als bei seinen Bürgern leiht, antwortet Hankel:

„Das Verhältnis zwischen Staat und Banken ist seit 1969 viel enger geworden. Und der Schatzbrief stand dieser Familienbeziehung im Wege. Banken gelten inzwischen ja als „systemrelevant“, was sie damals noch nicht waren. Also musste der Staat ihre Wünsche erfüllen. Dem ist, so fürchte ich, auch das Bundesschätzchen zum Opfer gefallen. Es war ja der Staat, der den Schatzbrief ausgab – nicht die Banken. Und die Banken haben am Schatzbrief nichts verdient.“

4 Gedanken zu “Den Banken zuliebe geopfert

  1. jfenn 8. Juli 2012 / 13:17

    Nun ja. Auch die Bürger hatten vom Bundesschatzbrief nicht viel, denn die Verzinsung war stets schlechter als bei anderen Bundeswertpapieren. Klar war das unter diesen Voraussetzungen eine „wichtige Finanzierungsquelle für den Bundeshaushalt“. :-/

    • Carmen 8. Juli 2012 / 13:28

      1969 wurde das Produkt mit vier bis acht Prozent Zinsen ausgestattet. Das war im Verhältnis zum Sparbuch viel. Für Leute, die keine Lust hatten, sich mit dem Thema Geld eingehend zu beschäftigen – und die waren bis vor 20, 25 Jahren noch in der Überzahl – die auch nur ein paar tausend Mark auf die hohe Kante legen wollten, war es eine sichere Anlage.

      • jfenn 8. Juli 2012 / 17:56

        Das ist aber schon sehr lange her, so lange wie meine Geburt. 😉 Ich kann mich nicht daran erinnern, daß die Bundesschätzchen jemals eine attraktive Rendite gebracht hätten, und habe sie auch nicht gekauft. Es war eigentlich nur eine Frage der Zeit, bis die vom Markt verschwinden.

        Die Banken verkaufen übrigens schon lange keine Bundeswertpapiere mehr an Kleinanleger ex Emission, das muß man schon seit vielen Jahren über die Bundesfinanzagentur zeichnen.

  2. Carmen 8. Juli 2012 / 18:22

    Ich hab noch vor drei Jahren für mein Kind Bundesschatzbriefe gekauft, natürlich ist der Zins minimal. Aber „kleine Leute“, wie ich eine bin, sehen eben mehr auf Sicherheit.

    Eigentlich fand ich die Beschäftigung mit Geldanlagen auch immer ein bisschen obszön, das ist vielleicht durch die protestantische Erziehung bedingt. Ich habe in meinem Leben nur einmal Aktien gekauft, von einer Internet-Stellenbörse, ich glaube Jobpilot – ein Desaster.

    Jetzt investiere ich in schöne Erinnerungen, indem ich mein Leben mehr genieße und weniger arbeite 😉

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