Hans-Werner Sinn über Griechenland: Raus aus dem Euro und abwerten

„Was ich schrecklich finde ist, dass die Europa-Politiker die Illusion wecken, es gäbe hier eine Lösung für Griechenland im Euroraum, wo sie objektiv nicht existiert. Ich glaube, viele wecken die Illusion auch nur aus einem Grunde: Sie brauchen die Griechen als Geisel, damit die Rettungsgelder weiter zur Bedienung der immer noch ausstehenden Staatspapiere fließen. Die Politik verkündet das Dogma, dass jedes Land mit Hilfskrediten im Euro gehalten werden muss, obwohl es nicht wettbewerbsfähig ist, weil sonst angeblich Europa untergeht.“ Das stehe in Wahrheit hinter der Formel „Zeit kaufen“ – es wird Zeit gekauft für die jetzigen Eigentümer dieser Papiere.

So weit die Ökonomie, aber was heißt das politisch? Sinn wird es „mulmig“, wenn er daran denkt, dass gerade seine Kinder und Enkel zu Gläubigern der Südländer gemacht werden, die auf politischem Wege von Italienern und Griechen das verliehene Geld eintreiben müssen. „Das kann ich mir nicht als friedlichen Prozess vorstellen. Mein Europa war eigentlich eines der guten Nachbarschaft, wo man sich auch mal hilft, wo man ordentlich miteinander umgeht, freundlich sich besucht, in Austausch tritt. Keines, in dem man mit seinen Freunden ungeheure Schuldverhältnisse eingeht.“

Zum absolut lesenswerten Interview „Renoviert das Bad, und werdet mündige Bürger!“ von Hans-Werner Sinn in der Frankfurter Allgemeinen bitte hier klicken.

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2 Gedanken zu “Hans-Werner Sinn über Griechenland: Raus aus dem Euro und abwerten

  1. Hackentrick 13. Juni 2012 / 23:52

    Ohne auf den eigentlichen Inhalt einzugehen: Der Herr (Un-)Sinn hat leicht reden. Ist er nicht der Mann von dem Institut, dass uns allmonatlich die heiligen Wirtschaftsdaten prophezeien will*? Und welche Prognosen hat uns dieser Herr Sinn mit seinem Institut in 2008 beschert?

    Nein, da halte ich mich lieber an Menschen vom Fach. Prof. Max Otte zum Beispiel. Der hat 2006 schon mahnend die Stimme erhoben und wurde ausgelacht und verhöhnt. Unter anderem von Herrn Sinn.

    Ich habe – ehrlich gesagt – die Schnauze voll von diesen ganzen selbsternannten Welterklärern, die sich in ihrer Arroganz suhlen. Ich bitte um Verzeihung…

    * Ich gehöre auch zu den Idioten, die jeden Monat die Forschungsumfrage des IFU-Instituts ausfüllt

    • Carmen 14. Juni 2012 / 07:48

      Ich bin immer froh, wenn mir ein Ökonom die Zusammenhänge, die zur Krise geführt haben, verständlich erklärt. Ich habe Hans-Werner Sinn im Januar in der Phoenix-Runde mit Günter Verheugen (Link zur Post über die Sendung), und danach noch mehrere Videos von ihm gesehen, mich hat seine Argumentation z.B. über den Unsinn von extremen Exportüberschüssen sehr überzeugt. In meinen Worten: Deutschland hat für seine Ausfuhren in viele südliche Länder Europas nur virtuelles Geld (Schuldscheine) erhalten, für das sich die Menschen dort verschuldet haben. Höchst wahrscheinlich erhalten die deutschen Exporteure und Banken nichts oder wenig zurück. Für den Konsum haben sich also Südländer verschuldet und höchstwahrscheinlich, siehe Fiskalpakt, versklavt. Da auch die deutschen Banken die Gelder der Lebensversicherer überwiegend im Süden angelegt haben, werden in ein paar Jahren auch die Rentner in Deutschland empfindlich betroffen sein.

      Hätten die Banken in den vergangenen Jahren in Deutschland investiert, z.B.in maroden Kommunen, wäre noch ein Gegenwert vorhanden. Das ist in meinen Worten und verkürzt, die Kritik von Leuten wie Sinn und Verheugen.

      „Im Übrigen wäre es viel besser gewesen, wir hätten das Geld selbst geschenkt, statt eine Einrichtung in Europa zu schaffen, in der kollektiv über Mehrheitsbeschlüsse das Geldschenken erzwungen wird und wir, weil uns die Summen zu hoch sind, als die Bösewichte dastehen. „Hätten wir aus eigenem Antrieb Marshallhilfen organisiert, wären wir die Helden.“ (Sinn i.o. FAZ-Interview)

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