Abschied von Petra Roth am 11.6.2012

Am Montag nachmittag (15 bis 17 Uhr) werde ich mich mit meiner Freundin und ihren drei Kindern vor der Frankfurter Paulskirche treffen, natürlich alle dunkel gekleidet – damit wir einen eigenen schwarzen Block bilden können! (Mehr Infos im Occupy Board)

In einem Interview mit der Frankfurter Rundschau wird heute Alexander Kluge, der in diesem Jahr die Poetik-Vorlesungen an der Goethe-Universität hält, zu Occupy befragt:

Können Sie Gegenbewegungen wie Occupy in Frankfurt nachvollziehen, die das Vertrauen in das Kapital verloren haben?

Dass es so etwas gibt, ist fast zwangsläufig. Wenn Kredit zerstört wird, sind das langfristige Prozesse. Sie haben den ersten großen Staatsbankrott in Europa Anfang des 18. Jahrhunderts in Frankreich, nachdem John Law das Wertpapier erfunden und damit eine Riesenkatastrophe angerichtet hat. Das ist dann der Grund, dass 1789 die Monarchie keine Auswege mehr weiß. Die Revolution ist die Antwort auf die Finanzkrise. Wir können die Finanzkrisen nur sehr schwer nacherzählen. Es fehlt das narrative Potenzial. Ich kenne keine Geschichte, die so wie der Untergang Trojas den Untergang von Lehman Brothers beschreiben könnte. Gleichzeitig ist es notwendig. Ein Beispiel ist der Pfennig, der Cent, der heute nicht mehr ausgeliefert wird, denn er kostet in der Herstellung dreieinhalb Cent. Er ist eine Verrechnungsgröße, für die Sie sich nichts kaufen können, noch nicht mal ein halbes Bonbon. Wenn diesen „Pfennig“ nichts ehrt, ist kein Taler etwas wert. Das heißt, Menschen werden der Politik nicht mehr trauen.

Wohin führt das?

Wohin das geht, weiß man nicht. Da ist das Problem. Sie können nicht sagen, 1929 nach dem Schwarzen Freitag sind Menschen klüger geworden. Nein, sie gehen rechts, sie lieferten sich dem Schlachtermeister aus, der sie mehr schert als der Schwarze Freitag sie je scheren konnte. (Alexander Kluge in der Frankfurter Rundschau vom 6.6.2012)

Nachtrag: Die CDU erwägt jetzt eine Bannmeile vor der Paulskirche:
„Das wird ein trauriges Bild abgeben, vor allem dann, wenn tatsächlich gewaltbereite Chaoten ausgerechnet vor der Paulskirche, der Symbolstätte unserer Demokratie, aufmarschieren und den verdienten, würdigen Abschied unserer Oberbürgermeisterin aus ihrem Amt stören“, sagt laut Journal Frankfurt der CDU-Fraktionsvorsitzende, Helmut Heuser.

Nachtrag vom 11.6.2012: So sahen sie aus, die Chaoten vom Paulsplatz: KLick.

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