Börne-Preisträger Götz Aly: Das Böse kann aus dem Guten kommen

„Die nationalsozialistische Steuerreform von 1934 schuf die Grundlagen unseres heutigen Steuersystems vom Ehegattensplitting über Kinderfreibeträge bis zu den Steuerklassen. Dasselbe gilt für den Mieter- und Kündigungsschutz. Ende 1941 hat Hitler auf einen Schlag die Rente um 15 Prozent erhöht, ohne die aktiven Arbeitnehmer mit höheren Beiträgen zu belasten. (…) Beängstigend bleibt doch, dass es auf dieser Grundlage möglich war, Millionen Nichtnazis mit dem Regime halbwegs zu versöhnen, Massenloyalität und ein weit verbreitetes Stillhalten buchstäblich zu erkaufen – mit uns heute geläufigen sozialpolitischen Mitteln. Kann nicht auch heute noch eine korrupte, gewissenlose Regierung ihre Majorität mit Hilfe sozialer Wohltaten sichern? Wir müssen uns selbstkritisch die Frage stellen, wie wir heute ­reagieren, wenn man uns politische Geschenke auf Kosten anderer macht.“
(Götz Aly im Gespräch mit Michael Wiederstein, erschienen im „Schweizer Monat“, Juni 2012 klick hier)


Es hat mich sehr gefreut, dass Götz Aly den Ludwig-Börne-Preis 2012 erhalten hat. Er ist ein unabhängiger Kopf, wie es nicht sehr viele in Deutschland gibt. Heute, wo alle politisch denken – im Sinne von strategisch, abwägend, um Konsens ringend – ist seine Freude an der Provokation befreiend, seine Bereitschaft, ein Paria im intellektuellen Mainstream zu bleiben, außergewöhnlich.

Ich habe Götz Aly durch seine Gastbeiträge in der Frankfurter Rundschau kennengelernt (Zu meinen Posts über die FR-Kolumnen zum Wutbürger und zum Egozentriker).

Es war eine illustre Runde heute in der Frankfurter Paulskirche:

Salomon Korn, Hannelore Elsner, Michael A. Gotthelf, (?), Götz Aly, Petra Roth, (?) Jens Jessen
Die erste Reihe bei der Verleihung des Ludwig-Börne-Preises 2012; von links: Salomon Korn, Hannelore Elsner, Michael A. Gotthelf, Monika Aly, Götz Aly, Petra Roth, unbek, Jens Jessen.“

Alice Schwarzer, die 2008 den Ludwig-Börne-Preis erhalten hatte, saß neben Erika Steinbach, nur wenige Plätze weiter saß Henryk Broder, Ludwig-Börne-Preisträger 2007, der Schwarzer (und nicht nur sie) dereinst eine linke Antisemitin genannt hat.

Die Laudatio hielt Zeit-Feuilletonchef Jens Jessen. (Link zum ZEIT-Artikel)

Hannelore Elsner trug Texte von Ludwig Börne vor
Götz Aly: „Die Schuld ist um uns und in uns“

Das neue Buch von Götz Aly heißt „Warum die Deutschen? Warum die Juden?“

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2 Gedanken zu “Börne-Preisträger Götz Aly: Das Böse kann aus dem Guten kommen

  1. LOB 3. Juni 2012 / 17:25

    Danke für den Bericht, das an den Anfang gestellte Zitat ist wichtig und aufschlussreich. Wann werden wir uns endlich von den unsinnigen Regelwerken aus der NS-Zeit befreien? Dazu gehören auch absurde Regelwerke aus der Straßenverkehrsordnung, wie wir z.B. als Fußgänger die Straße zu überqueren haben und dem Autoverkehr Vorrang zu gewähren haben.

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