Starke Frauen: Andrea Ypsilanti und Petra Roth

Ich lebe in einer Gegend mit viel Politprominenz. Dem hessischen Innenminister bin ich am Gründonnerstag beim Einkaufen im Rewe begegnet, sein Konkurrent (und Sieger) bei der OB-Wahl Peter Feldmann joggte kürzlich an mir vorbei, Andrea Ypsilanti, die im gleichen Stadtteil wie die noch amtierende Frankfurter Oberbürgermeisterin Petra Roth wohnt, trifft man schon mal schwatzend im Eiscafe – es handelt sich bei unserer Wohngegend aber nicht um ein Villenviertel, wie dem Frankfurter Lerchesberg, in dem auch die (leere, weil laute) Dienstvilla des Oberbürgermeisters steht, sondern um kleine und ruhige Dörfer im Frankfurter Norden – hier gibt es mehrere Bauern, aber keine Bücherei.

In der ersten Zeit nach der verlorenen Landtagswahl 2009, an der die vier Intriganten und die BLÖD großen Anteil haben, sah man Ypsilanti an, wie sehr sie unter der Niederlage litt. Am Mittwoch abend war sie bei Lanz.

Lanz scheint zu glauben, es sei eine Form von investigativem Journalismus, mit einer Handvoll Vorurteile in ein Gespräch zu gehen und diese bis zum Ende des Abends zu verteidigen. Kurz gesagt, Markus Lanz ist borniert. Dennoch freundlich und gelassen beantwortete Ypsilanti die Fragen nach ihrem persönlichen Fehler beim Versuch, 2008 eine rot-grüne Landesregierung in Hessen zu installieren. Aber das war Lanz nicht genug, auf dem Boden liegend und sich reuevoll im Staub wälzen, so wollte er Andrea Ypsilanti sehen. Sie ließ sich aber nicht in die Enge treiben. „Es gibt viele Möglichkeiten politischer Einflussnahme in der Demokratie“, erklärte sie. Die weiteren Fragen von Lanz machten aber deutlich, dass die Vorstellung, Politik habe etwas mit Diskussionen und Gesprächen mit der Basis zu tun, sein intellektuelles Fassungsvermögen überstieg. Wir Hessen freuen uns auf jeden Fall über Ypsilantis Ankündigung, 2013 wieder für den Landtag zu kandidieren.

Ihre Nachbarin Petra Roth war gestern im Hessen Fernsehen zu sehen, in Hauptsache Kultur wurde ihre Biographie vorgestellt. Matthias Arning, ehemaliger Lokalchef der Frankfurter Rundschau, hat die Biographie verfasst, die am 14.5.2012 im Westend Verlag erscheint. Auf die Frage, was Petra Roths Erfolgsgeheimnis sei, antwortete Arning: „Sie kann politische Themen so herunterbrechen, dass auch ich sie verstehe.“

Matthias Arning, der ehemals intellektuelle, engagierte und ideenreiche FR-Journalist, ist promovierter Politikwissenschaftler. Petra Roth hat eine Ausbildung als Arzthelferin, aber, wie dieses Beispiel zeigt, die Fähigkeit, Männer zu Unterwerfungsgesten zu bewegen.

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