Meine Forderung zum 1.Mai: Mehr Teilzeit-Stellen für Männer!

Morgen werden sich bei – voraussichtlich – sonnigem Wetter wieder viele Frankfurter am Günthersburgpark treffen, um gemeinsam die traditionelle 1. Mai-Demo vom Nordend zum Frankfurter Römer zu begehen. Um 11 Uhr findet dort die Kundgebung mit Redebeiträgen von u.a. Harald Fiedler, Britta Brandau und einem Vertreter von Occupy Frankfurt statt.

Als junge, engagierte Angestellte war ich jedes Jahr dabei. Mein zweiter Bildungsweg, das anschließende Studium und die folgenden Jobs, die häufig mit dem gewerkschaftlich propagierten „Normalarbeitsverhältnis“ wenig zu tun hatten – gleichwohl aber von mir so gewollt waren -, führten zu einer Entfremdung, die in der Kündigung meiner Gewerkschafts-Mitgliedschaft nach 20 Jahren endeten.

Ich glaube nicht, dass ich mich heute weniger für die Belange von ArbeitnehmerInnen interessiere. Dennoch komme ich mir inzwischen geradezu exotisch vor, wenn ich mich in gewerkschaftlichem Umfeld aufhalte (z.B. bei meinem Besuch in Andrea Ypsilantis Rotem Club).

Auch als der Bundestag vor einiger Zeit über die Frage „Was ist gute Arbeit?“ debattierte, gefielen mir die Antworten, die Abgeordnete von SPD und Linke gaben, nicht. Sie passen nicht zu meiner Vorstellung von einem guten Leben. Sie sind obsolet. Warum? Sie diffamieren Teilzeit-Arbeit.

Darüber hat sich heute auch Manfred Köhler in einen FAZ-Kommentar zur Arbeitsmarktsituation in Frankfurt geäußert:

„Die Mainmetropole ist der Jobmotor des Ballungsraums, der gegenwärtig in einigen Teilen nahe der Vollbeschäftigung steht, im Taunus etwa.

Der Zuwachs hat die Kritik am Arbeitsmarkt nicht verstummen lassen. Zuletzt war es der regionale DGB-Vorsitzende Harald Fiedler, der darauf hinwies, dass der Beschäftigungsaufbau seit 2008 weitgehend auf einen Anstieg an Teilzeitarbeit zurückzuführen sei. Die Zahlen der Bundesagentur für Arbeit zeigen jedoch, dass dies in Frankfurt nicht auf Kosten von Vollzeitstellen geschieht, sondern zusätzlich. Es ist auch nicht so, dass Teilzeitarbeit grundsätzlich „prekär“ ist, wie der Gewerkschaftsvorsitzende meint. In vielen Fällen ist sie ausdrücklich erwünscht, um Familie und Beruf zu verbinden.

Die Diffamierung der Arbeit, die sich auch auf Zeitarbeit und befristete Arbeitsverhältnisse erstreckt, ist ein zuverlässiger Begleiter des Aufschwungs, bevor in der nächsten Rezession wieder die Arbeitslosenzahlen als solche in den Blick rücken.“ (Manfred Köhler, FAZ vom 30.4.2012)

Mit der Propagierung des Vollzeitarbeitsverhältnisses als Norm werden alte Rollenmuster zementiert. Die gewerkschaftliche Missachtung von Teilzeitarbeit ist frauenfeindlich, denn es werden weiterhin die Frauen sein, die Teilzeit arbeiten, wenn die Kinderbetreuung fehlt. Sie ist männerfeindlich, weil sie den Männer die Möglichkeit verschließt, ein moderneres und gesünderes Familienleben zu führen. Sie ist familienfeindlich, weil sie Wachstum und Konsum höher wertet als gemeinsam verbrachte Familienzeit.

Meine Forderung zum 1. Mai: Für eine Aufwertung der Teilzeit-Arbeit – Mehr Teilzeitstellen für Männer!

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