Wer Steine wirft, ist nur zu faul zum Denken

„Am Samstag mit dem Mountainbike durch die Stadt. Überall Polizeifahrzeuge, Motorräder, Streifenwagen, zahllose Mannschaftswagen. Im Kaisersack vor dem Hauptbahnhof Fahnen, Menschen, viele dunkel gekleidet, ein Lautsprecherwagen. Breit grinsen wir uns an, als ich überraschend auf Alex treffe. Dann Jutta, die ich frage, wer denn eigentlich aufgerufen habe zu dieser Demonstration. Nun, sagt sie, die reformistischen Kräfte habe man fürs Erste absichtsvoll außen vor gelassen, einfach, um mal zu sehen, wie viele Leute man selbst auf die Beine bringe. Immerhin, einige Tausend sind es geworden, ein Aufgebot, gegen das die Occupy-Aktionen wie ein Streichelzoo wirken. Knallt auch bald.“ (Jan Seghers in der Geisterbahn vom 2.4.2012)

1985, bei einer der Frankfurter Demos, die dem Tod von Günther Sare voraus gingen oder folgten: Eine Freundin begleitet mich. Die Demo wird von Autonomen angeführt, die ganz offensichtlich auf Krawall aus sind. Ich will mich weiter hinten in den Demo-Zug einreihen und mache eine kritische Bemerkung über die Anführer, da sagt meine Freundin: „Die halten auch für dich den Kopf hin!“

Nein, weder heute noch damals, habe ich mit diesen Schlägern etwas zu tun. Weder heute noch damals leben wir in einem Bürgerkrieg.

Das Verdienst der Occupy-Bewegung ist, dass sich unter ihrem Namen Kapitalismus-Kritiker jeden Alters und jeder Coleur fanden und friedlich, sachlich, freundlich und kreativ protestierten.

Ich bin deshalb ziemlich wütend auf Klassenkampf-Rhetoriker wie Jutta Ditfurth, die ihre späte Chance auf linke Rädelsführerschaft wittern und die Demonstranten mit Revolutionsgeraune aufpeitschen.

Nach den Erfahrungen bei der M31-Demo steht zu befürchten, dass auch zu den Frankfurter Aktionstagen „Blockupy“ vom 16. bis zum 19.Mai Krawalltypen anreisen. Laut Artikel in der FAZ von heute, distanzieren sich bereits einige Organisatoren von potentiellen Gewalttätern: „Man erwäge derzeit, Gespräche mit jenen Gruppierungen zu führen, von denen Übergriffe ausgehen könnten. Diese wolle man möglichst von den Aktionen ausschließen“ heißt es in dem Artikel.

Zuvor findet aber eine Occupy-Demo am 21.4.2012 unter dem Motto „…heute Griechenland, morgen Europa und übermorgen die ganze Welt!“ statt.

Ich wünsche den Occupisten, dass sie weiterhin ihren Verstand benutzen und sich von gescheiterten (und vom „Schweinesystem“ ausgehaltenen) Westentaschen-Revoluzzern nicht ins Bockshorn jagen lassen.

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