Ich liebe Mely

Ich mag Günter Grass nicht. Ich erinnere mich nur an zwei Bücher in den vergangenen Jahrzehnten, die ich trotz bestem Willen nicht zu Ende gelesen habe, das ist neben „Der Turm“ von Uwe Tellkamp (Gewinner der Deutschen Buchpreises 2008) „Der Butt“ von Günter Grass. Ich habe danach nie wieder versucht, einen Roman von Grass zu lesen. Meines Erachtens schreibt er für Männer – wenn ich seinen Namen höre, denke ich sofort an Wolf Biermann, den ich noch weniger mag.

Das Gedicht von Grass „Was gesagt werden muss“ tut mir weh. Es verletzt mein Sprachgefühl, es ist brachial und ungelenk.

Die Samstags-Kolumnistin der Frankfurter Rundschau, Mely Kiyak, treibt in ihrer heutigen Kolumne etwas anderes um. Auch sie geht nicht auf die Inhalte ein. Vielmehr wundert sie sich welchen Sturm der Entrüstung Grass Gedicht in den Chefetagen der Zeitungsbranche ausgelöst hat.

Als Thilo Sarrazin vor siebzehn Monaten sein Buch veröffentlichte, in dem er Leute wie mich als minderwertige, der Gesellschaft schadende Subjekte beschrieb und mit falschen Zahlen seine Denunziationsschrift fütterte, passierte erstmal nichts. (…)

Bis zum heutigen Tag kann ich mich an keinen Herausgeber oder Chefredakteur von Rang erinnern, der den behaupteten Schaden, den wir Deutschland antun, mit einer einzigen Zeile gekontert hätte. (…)

Deshalb frage ich: Warum könnt ihr alten grauköppigen Kollegen, Chefs, Botschafter, Schriftsteller und Historiker, uns, die wir mit euch zusammenleben, nicht auf die gleiche, heldenhafte Art schützen, wie ihr es tut, wenn ihr meint, Hass und Unrecht richte sich gegen unsere jüdischen Freunde?

Ich kriege diese Diskrepanz einfach nicht zusammen. Wir sind ein Teil von euch, wir leben Tür an Tür, und wenn ich sehe, mit welcher Kraft und Leidenschaft ihr in der Lage seid zu kämpfen, dann schreibe ich mit vorletzter Tinte: Es gab Zeiten in diesem Land, da habe ich eure Liebe sehr vermisst. (Zur vollständigen Kolumne in der FR vom 8.4.12)

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Ein Gedanke zu “Ich liebe Mely

  1. LOB 6. Dezember 2012 / 11:58

    Schon Mal G. Grass life erlebt? Hab mal mit ihm in A’dam eine lange Nacht über die Rättin philosophiert. Ich weiß nicht ob er für Männer schreibt, ich kenne viele die die Bücher von ihm nicht zu Ende lesen, aber das zeichnet auch nicht m.A.n.ein gutes Buch aus, dass es zu ende gelesen wird. Jeder hat das recht ein Buch nicht zu Ende zu lesen, weil sie verstört ist und er nicht mehr der Sprache folgen will. Das ist doch ein gutes Zeichen. Das muss ja auch niemals ein endgültiges Aus ein. Das sog. Gedicht ist eine Provokation und weißt aber auf etwas hin, was ich viel wichtiger finde -, was für ein Konzept hinter unserer sog. Nahostpolitik steht. Sie ist konzeptionslos und willkürlich und folgt ausschließlich aktuellen Stimmungen. Ich denke häufig an das verstörende Geicht, dass ja überhaupt nichts lyrisches hat – also die Zuordnung zur Gattung ist ebenso willkürlich, wenn nicht sogar absurd. Obiges Zitat aus der Kolumne, war es wert zu zitieren.

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