OB-Kandidaten bei der FNP (2)

Der Ärger, den ich gestern nach dem Duell der beiden OB-Kandidaten Feldmann und Rhein empfand, ist heute früh beim Lesen der Frankfurter Neuen Presse wieder aufgeflammt. Wie groß mein Zorn ist, lässt sich daran messen, dass ich beim Frühstück laut sagte: „Vielleicht sollte ich doch in die Politik gehen und zwar zu den Piraten!“ Okay, der Moment ging schnell vorbei – ich sitze schließlich jetzt schon zuviel vorm Computer, wie sollte das erst mit Liquid Democracy werden?

Mein Ärger richtet sich gegen die, die gestern abwesend waren, die Grünen. Denn wie sehr eine ökologische Sicht der Dinge fehlt, wurde beim Streitthema Wohnungsmangel sichtbar. Rhein ist der Ansicht, es gibt kein Wohnungsproblem, wer sich Frankfurt nicht leisten kann, zieht eben nach Hanau. Feldmann will mit benachbarten Regionen ein Wohnungsbau-Konzept entwickeln. Und wie kommen die Leute zur Arbeit, meine Herren? Auf die Frage von Lokalredakteur Günter Murr, wie teuer ein S-Bahn-Ticket in Frankfurt ist, hatten beide keine Antwort. Oh, Pein!

Ein Statement für den Ausbau der Main-Weser-Bahn, die täglich Tausende PendlerInnen aus und um Frankfurt in die City bringt, wäre wichtig gewesen. Es könnten nämlich noch viel mehr Menschen sein, die auf die Bahn umsteigen und somit aufhören, z.B. die Friedberger Landstraße zu verpesten. Bis zur Verdoppelung der regulären Fahrzeit steigern sich täglich die Verspätungen der S 6 im Berufsverkehr, das weiß aber nur, wer auch S-Bahn fährt. Ein Aktivist der Bürgerinitiative 2 statt 4 hat gestern wieder die Mär von 96 Prozent Pünktlichkeit der S 6 verbereitet – da muss ich ausnahmsweise mal Boris Rhein zitieren: „Und im Himmel ist Jahrmarkt“.

Aus diesem Beispiel könnte der grüne Wähler schließen, dass es klug wäre, Boris Rhein zu wählen, denn dann bliebe der grüne Verkehrsdezernent Stefan Mayer sicher im Amt. Den grünen Parteistrategen hat gestern Daniel Cohn-Bendit in der gemeinsamen Pressekonferenz mit Peter Feldmann einen Strich durch die Rechnung gemacht:

„Boris Rhein komme für ihn aber auf keinen Fall nicht in Frage, betonte er. Denn der CDU-Kandidat sei ein „konservativer Hardliner“, der für die Politik von Roland Koch stehe. Ein SPD-Oberbürgermeister hingegen könne der schwarz-grünen Koalition im Römer gut tun, meint der Europa-Politiker. (…) Viele Wähler der Grünen dächten wie er und könnten sich mit einem Oberbürgermeister Rhein nicht anfreunden. Dem Kreisvorstand seiner Partei wirft er vor, keine Mitgliederversammlung mit einer Diskussion über die beiden Kandidaten einberufen zu haben. „Ich wäre als Mitglied ganz gerne gefragt worden.“ Doch offenbar habe die Grünen-Führung Angst, dass die Basis anders entscheide als der Vorstand.“ (so die FNP vom 20.3.2012)

Ich frage mich inzwischen, ob die OB-Kandidatur von Rosemarie Heilig je ernst gemeint war, oder ob das auch ein taktisches Manöver der Grünen war, die eigene Klientel nicht zu verärgern. Hätten die Grünen ernsthaft Wahlkampf betrieben, hätte das Ergebnis anders ausgesehen.

Zu Beginn des Wahlkampfs habe ich mich für Rosemarie Heilig eingesetzt: Weil drei Wochen vor der OB-Wahl kein Plakat bei uns im Frankfurter Norden hing, versuchte ich, Kontakt mit den Grünen aufzunehmen. Weil sie auf meine Tweets nicht reagierten, schrieb ich eine Mail an den grünen Kreisverband Frankfurt. Auch hier erhielt ich keine Antwort. Auf meine wiederholte Aufforderung, mir bitte zu antworten, kam 10 Tage vor der Wahl eine Mail: Man drucke gerade die grüne Wahlzeitung, wenn ich wolle, könne ich die in meinem Stadtteil verteilen. Innerhalb von 30 Minuten antwortete ich: Ja, mache ich!

Ich habe bis zur Wahl nichts von den Frankurter Grünen gehört – eine Wahlzeitung habe ich auch nie gesehen. Ich frage mich bloß, ob Rosemarie Heilig von dem fehlenden Eifer ihrer „Wahlkämpfer“ gewusst hat.

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