Ein Samstag in Frankfurt

Ein wunderschön sonniger Vormittag führte uns zum Netto-Parkplatz im idyllischen Frankfurter Dorf Harheim. Wenn Wahlkampf ist in Frankfurt, stehen hier immer die CDU-Mitglieder und verteilen Luftballons. Nur selten sah man in den letzten Jahren auch die SPD hier stehen.

Jetzt wittert die SPD im Dorf aber Morgenluft, also wurde ein Stand aufgebaut und die gesamte SPD-Prominenz des Stadtteils zeigte sich gutgelaunt, denn: Der Peter Feldmann kam – allerdings arg erkältet:

Nachdem meine Tochter Kugelschreiber und Bonbons abgestaubt hatte, verabschiedeten wir uns, um ein wenig Stadtluft zu schnuppern.

Ich wollte ihr u.a. das verruchte Gebiet um den Hauptbahnhof zeigen. Als wir aus dem Bahnhof kamen und Richtung Rotlichtviertel gingen, kam uns eine – ebenfalls zehnjährige – Harheimer Freundin meiner Tochter entgegen. Sie stand mit ihrem Vater an der Kaiserstraße und verteilte Broschüren der Organisation „Sag nein zu Drogen“, beide trugen bedruckte Shirts der Organisation. Obwohl die Broschüre auf den ersten Blick nur Fakten über die Folgen des Drogenkonsums enthält, hatte ich ein komisches Gefühl und recherchierte später nach der Organisation: Es handelt sich um eine Nebenorganisation der Scientology. (Wichtige Infos auch hier)

Der weitere Weg durch das Rotlichtviertel war dann durch Wortfindungsprobleme meinerseits gekennzeichnet: Äh, ja, in Peep-Shows gehen Männer rein, die Sex, aber keinen richtigen Sex wollen….

Danach gingen wir durchs Occupy Camp, wo uns neben ein paar übermüdeten Aktivisten auch folgendes Plakat begegnete:

Am Sachsenhäuser Mainufer fand der Flohmarkt statt, das Ufer war voller Leute, überall knutschende Paare oder mit ihren Hunden schmusende Männer auf Pick-Nick-Decken.

Kulturelles Ziel des Ausflugs war das Frankfurter Städel, hier hatte ich an den Alten Meistern meinen Spaß, ich liebe z.B. die Bilder des Niederländers David Teniers d. J. Das Licht im neuen, unterirdischen Erweiterungsbau war mir dann aber zu hell und die Gegenwartskunst nach den Alten zu grell.

Die neuen In-Lokalitäten in der Braubachstraße, das „Margarete“ und das „Bitter und Zart“, ließen wir links liegen, um auf dem Bauernmarkt auf der Konstablerwache einen Apfelsaft bzw. -wein zu trinken. Hier gibt es Kultur von unten, an langen Tischen wird mit Fremden gleich drauflos geschwatzt. Zum Abschluss noch ein kurzer Abstecher nach Bornheim in den Bethmannpark. Am Ende des Tages waren wir uns einig:

„Es is kaa Stadt uff der weite Welt,
die so merr wie mei Frankfort gefällt,
un es will merr net in mein Kopp enei,
wie kann nor e Mensch net von Frankfort sei!“ (Friedrich Stoltze)

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