Frauentag 2012: Ich bin doch nicht blöd

Ich habe darauf gewartet, dass heute am Internationalen Frauentag wieder das Teilzeit-Bashing los geht. Heute ist es die Frankfurter Allgemeine Zeitung, die den Gewerkschafterinnen den Platz einräumt, uns Teilzeit arbeitende Mütter als dumm, nein, nur als „maßlos unwissend“ zu bezeichnen.

Letze Woche habe ich irgendwo die Aussage von Ursula Ott, Chrismon-Redakteurin, gelesen, für sie als Mutter käme es nie in Frage, Teilzeit zu arbeiten, sie wolle „in ihrem Beruf aufgehen“.

Das erinnert mich an die Personalchefin eines Telekommunikationsunternehmens, die ich Ende der 90er Jahre kennengelernt habe. Sie sprach gerne davon, die Mitarbeiter müssten sich mit dem Job identifizieren. Besonders gesund war das für die Angestellten nicht, da das Unternehmen wöchentlich die Besitzer wechselte und schließlich doch Pleite ging.

Jetzt mal zum Mitschreiben, bzw. copyundpaste: Frau kann ihre Arbeit lieben und gut machen und dennoch mit der halben Stundenzahl zufrieden sein. Sie verzichtet vielleicht auf Konsum, genießt dafür aber die gemeinsame, ungehetzte Zeit mit ihren Kindern. Vielleicht ist sie aber auch nur froh, Zeit für ihren Garten oder zum Bloggen zu haben. Wenn man sich allein die Bücherblogger-Szene anschaut, da wird soviel gelesen und rezensiert, das können gar nicht alles Vollzeitangestellte oder Buchhändler sein. Liebe Redakteure: Die BloggerInnen schreiben das alles (noch) umsonst – das ist Ehrenamt, das ihr doch sonst gern lobend erwähnt.

Ich wüsste gern, wer bei all diesen Vollzeit arbeitenden Müttern die Begleitung von Ausflügen in der Grundschule übernimmt. Ich war immer froh, dass es Mütter gab, die das für mich übernehmen konnten, sonst hätte in den vergangenen vier Jahren kein Ausflug und keine Klassenfahrt in der Klasse meiner Tochter stattgefunden.

In der FAZ darf die Hanauer Frauenbeauftragte Imke Meyer heute von einer Teilzeitfalle sprechen, „weil die Frauen „aus maßloser Unkenntnis“ im Alter dann nur eine „Teilzeitrente“ hätten“.

Liebe Gewerkschafterinnen, ich bin nicht blöd. Ich kann rechnen. Man kann mich nachts wecken und ich plaudere aus, welche Rente ich nach heutigem Stand mit 67 bekomme. Vielleicht sind die Frauen heute einfach mutiger und gestalten ihr Leben nach eigenen Regeln. Und denken nicht wie frühere Generationen ab dem 40. Geburtstag an die bevorstehende Rente.

Wir bewegen uns noch!

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Ein Gedanke zu “Frauentag 2012: Ich bin doch nicht blöd

  1. uhupardo 9. März 2012 / 00:55

    Das ist ein Text so ganz nach meinem Geschmack! *chapeau*

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