Piratenkritik: Man muss sie nicht hassen

Seit Wochen liegt das Buch „Die Piratenpartei“ in meiner Sichtweite. Heute habe ich endlich den ersten Beitrag darin gelesen, den ziemlich bösen Artikel von Katja Kullmann („Echtleben“), den man auch in ihrem Blog lesen kann.

„Wer sich mit den Piraten beschäftigt, hat es nicht mit einem neuen poli­tischen, sondern mit einem neuen sozialen Typus zu tun. Nicht als Partei im ureigentlichen Sinne des Wortes sind die Piraten interessant, sondern als Speerspitze einer bestimmten Klasse, einer neu sich definierenden Ge­sellschaftsschicht, die sich gerade erst selbst kennen­lernt, die augenblicklich ihre Reichtümer, Schwächen und Chancen sortiert, und die – vorläufig noch etwas stümperhaft, niedlich bis kindisch, womöglich unschul­dig – nun erstmals über sich und ihre Interessen spricht. (…) Die creative class will nicht mehr nur spielen, sie will die Geschäfte nun in vollem Umfang aufnehmen und Geld verdienen. Vor allem deshalb will sie “die Monopole brechen”, das “Patentrecht” und die “Bevormundung” abschaffen. Sie will ihr Kapital end­lich gewinnbringend einsetzen. Die Forderung hinter allen “Transparenz”-Parolen und allem “Nachhaltig­keits”-Tüll lautet im Kern: Freie Fahrt für freie Bürger. Die Piraten sind, wenn überhaupt, eine Wirtschafts­partei.“ (Katja Kullmann in „Man muss sie nicht hassen“, veröffentlicht im Band „Die Piratenpartei – Alles klar zum Entern?“)

Wenn man solche Piraten wie den Bundesvorsitzenden Sebastian Nerz vor Augen hat, der in seiner Bräsigkeit dem neuen FDP-Generalsekretär Döring ähnelt, und sich dann daran erinnert, dass Nerz kürzlich von einer Koalition mit FDP und Grünen geträumt hat, ist diese Einschätzung naheliegend.

In der Kommunalpolitik sind die Parteiprogramme viel weniger entscheidend als das persönliche Engagement des jeweiligen Stadtverordneten. In Frankfurt sitzen seit März 2011 zwei Piraten, Martin Kliehm und Herbert Förster, im Stadtparlament, über ihre Arbeit kann man sich hier informieren.

Herbert Förster tritt als OB-Kandidat der Piraten in Frankfurt zu Wahl an. Beim Stöbern auf seiner Website bin ich dann auf die Seite der Piratenpartei Frankfurt gestoßen und flugs war meine eigentlich positive Stimmung für die Frankfurter Piraten weg: Der Artikel „Die angebliche Frauendiskriminierung bei den Piraten – eine Feststellung“ ist so banal, so ahistorisch, so naiv, dass es weh tut.

Advertisements

Ein Gedanke zu “Piratenkritik: Man muss sie nicht hassen

  1. volkerschendel 28. Juli 2012 / 12:54

    Hier:
    http://www.piratenpolitik.com/8.html
    gibt ein kostenloses Pdf zum Download. Es steht zur freien Verfügung, Verwendung und Weiterverbreitung. Es handelt sich dabei um Folgendes:
    Beim Landesschiedsgericht der niedersächsischen Piratenpartei wurden die Aufstellungsversammlung vom 21. / 22. April 2012 in Nienburg / Weser für die Landesliste der Piratenpartei in Niedersachsen zur Landtagswahl am 20. Januar 2013 und ihre Wahlergebnisse gemäß § 21 Nr.10 der Landessatzung der niedersächsischen Piratenpartei angefochten. Am 8. Juni 2012 kündigte der Landesvorsitzende der Niedersächsischen Piratenpartei die Wiederholung der Aufstellungsversammlung in Wolfenbüttel am 21. / 22. Juli an . Die am 21. und 22. Juli 2012 in Wolfenbüttel abgebrochene (Wiederholungs-) Aufstellungsversammlung wirft neue Fragen auf (s. Seite 582). Die Hintergründe, Rechtsfragen und Abläufe in diesem Kontext sind zwischenzeitlich auch als Buch – ISBN 9783844817539 – erschienen.

    Den Blick ins Buch gibt es u.a. hier:
    http://www.libreka.de
    http://www.buchhandel.de/default.aspx?strframe=titelsuche&caller=vlbPublic&nSiteId=11&Func=Search&stichwort=schendel%20wahlrechtstheorie
    Weitere Informationen gibt es hier:
    http://www.piratenpolitik.com
    http://www.bod.de/index.php?id=1132&objk_id=714260

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s