Fluglärm und OB-Wahl

Wenn die fluglärmgeplagten Menschen im Süden und Osten Frankfurts die Oberbürgermeisterwahl im März nutzen, um gegen die Zustände nach Eröffnung der neuen Landebahn zu stimmen, ist das reines Symbolhandeln. Darauf haben in den letzten Tagen Experten aus verschiedenen Lagern hingewiesen.

Der Vorsitzende der Fluglärmkommission und Bürgermeister von Raunheim, Thomas Jühe (SPD), wird heute in der Frankfurter Rundschau mit den Worten zitiert: „Das Thema (Fluglärm) ist für die Region zu wichtig, als es parteipolitischem Kalkül für etwaige anstehende Wahlen zu opfern.“

„Die im Wahlkampf präsentierten Vorschläge seien nicht ausreichend geprüft, entsprächen auch nicht den Kriterien des Forums Flughafen und Region sowie denen der Fluglärmkommission. Konkret kritisierte er die kursierenden Vorschläge, den Flugbetrieb auf der neuen Nordwestbahn einseitig zulasten der Südbahn zu verschieben, ohne zuvor die Auswirkungen zu prüfen. Dadurch bekämen die durch die Eröffnung der Landebahn neu Betroffenen in Frankfurts Süden und in Flörsheim zwar weniger Lärm ab. Doch die immer schon extrem hoch belastete Bevölkerung von Neu-Isenburg, Rüsselsheim oder Raunheim würde noch einmal zusätzlich belastet. Besonders schweres Fluggerät, wie A 380 oder B 747, dürfe wegen seiner Größe ohnehin ausschließlich auf der Südbahn landen, ergänzt der Vorsitzende der Fluglärmkommission“, so die FR vom 21.1.2012.

In einem Leserbrief in der Frankfurter Rundschau protestiert heute ein Lufthansa-Pilot gegen „Halbwissen, Gerüchte, und selbst ernannte Experten“ und fordert weniger Polemik und mehr Sachkenntnis. „Es ist abenteuerlich, was man in der aufgeheizten Debatte um die neue Landebahn manchmal lesen muss. Laien geben den Luftfahrtexperten, und Redakteure, ebenfalls nicht vom Fach, schreiben eins zu eins mit. (…) Das Problem ist doch: der Lärm wurde neu verteilt. Andere Anwohner leiden nun plötzlich unter Fluglärm. Ich verstehe den Unmut der Menschen, aber woanders – was naturgemäß nicht als Meldung erscheint – wurde der Lärmteppich entsprechend kleiner.“ (Wolfram Ziltz in der FR vom 21.1.12)

Matthias Alexander hat gestern in der FAZ auf das Missverständnis hingewiesen, der Oberbürgermeister könne beim Thema Fluglärm viel ausrichten: „Die Macht, die dem Amt des Frankfurter Oberbürgermeisters von vielen Bürgern zugeschrieben wird, deckt sich nicht mit dessen tatsächlichem Einfluss. Der jeweilige Amtsinhaber kann vor allem als Repräsentant der Stadt und als Moderator innerhalb des Magistrats wirken. Gegen Fluglärm kann er dagegen wenig bis gar nichts ausrichten.“

Alexander gibt daher dem CDU-Kandidaten Boris Rhein Schützenhilfe in seinem Kommentar:

„Rhein (…) wird den Leuten versichern müssen, dass er ihre Sorgen ernst nimmt; er wird ihnen aber auch sagen müssen, dass seine Einflussmöglichkeiten auf den Flugbetrieb nahe null sind. Schlimmer noch: dass generell wenig Aussicht besteht, die Belastung zu lindern. Und er wird dafür werben müssen, dass auch andere Themen Beachtung finden. Stadtplanung, Sozialpolitik, Schulbauten, Verkehr, Wirtschaftsförderung und Kultur sind die Felder, auf denen die Kommune Gestaltungsfreiheit besitzt.“ (Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 20.01.2012)

Ungeachtet dessen hat sich die vom Wähler bereits bei der Kommunalwahl 2011 aussortierte Wählergemeinschaft FAG dazu entschlossen, mit Ursula Fechter als Kandidatin in den OB-Wahlkampf zu ziehen.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s