Phoenix-Talk über Euro-Krise

„Das ist keine Prognose, sondern eine normative Aussage“ (Hans-Werner Sinn in der Sendung „Unter den Linden“ am 16.1.2012, als der TV-Moderator seine Krisen-Analyse in Zweifel zog.)

Christoph Minhoff muss sich das Gespräch mit Günter Verheugen (ehem. EU-Kommissar) und Hans-Werner Sinn (Präsident ifo Institut für Wirtschaftsforschung) über die Euro-Krise und die Grenzen der Belastbarkeit irgendwie anders vorgestellt haben.

„Ich bin sprachlos, dass das hier so klar gesagt wird“, stammelte er angesichts der deutlichen Worte von Ökonom Hans-Werner Sinn und Politiker Günther Verheugen.

Wer die Sendung „Unter den Linden“ gestern verpasst hat, sollte sich die ca. 45 Minuten lange Diskussion per Video-Stream ansehen.

Hier ein paar der schwer erträglichen Wahrheiten über die Euro-Krise:

„Der Steuerzahler zahlt alles, das ist ganz klar.“ (Hans-Werner Sinn)

„Es ging niemals um die Rettung Griechenlands, sondern immer um die Rettung deutscher und französischer Banken.“ (Günter Verheugen)

„Der Rettungsschirm ESM wird das Problem nicht lösen.“ (Günter Verheugen)

„Wir zahlen die Zeche für viele Jahre falscher Finanzpolitik.“ (Günter Verheugen)

Wer zahlt die Zeche?

„Die Sparer und Verbraucher zahlen die Zeche“ (Günter Verheugen) – „damit die jetzigen Vermögensbesitzer fein raus sind.“ (Hans Werner Sinn)

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3 Gedanken zu “Phoenix-Talk über Euro-Krise

  1. Karl 18. Januar 2012 / 23:06

    Vielen Dank für die Verlinkung zum Phönix-Stream. Ich kannte die Sendung nicht. Meines Erachtens war das einen sehr gute Diskussionsrunde. Etwas überraschend war zwar die Überraschung des Moderators. Wenn er besser informiert gewesen wäre, hätte er wissen müssen, dass diese Aussagen schon vorher getroffen wurden (z.B. FDP-Mitgliederentscheid die Position Frank Schäfflers, offener Brief 47 VWL-Professoren, zeitnah dazu gab es ein Essay von u.a. Herrn Sinn in der FAZ, u.m.). Die Ahnungslosigkeit des Moderators machte aber nichts. Ich finde, er hat seine Aufgabe im Gegenteil sehr gut gemacht. Er hat die Diskussionsteilnehmer ausreden lassen, die Diskussion sich entwickeln lassen (er war ja wohl zunächst eher darauf aus das „politische“ Rating von S&P zu thematisieren). Manch andere Talkrunde kann davon lernen. Dabei kommt dann Unerwartetes, Neues, Erhellendes heraus.

    Mein Gewinn aus der Sendung ist, dass mir viel deutlicher wurde, dass die Ursache des Problems nicht nur die hohen Staatsverschuldungen sind, sondern die großen Unterschiede in der Leistungsfähigkeit der Volkswirtschaften. Daher kann ein wie immer gearteter Rettungsschirm das Problem nicht lösen, sondern setzt eher Anreize, die notwendigen Anpassung der Leistungsfähigkeit zu unterlassen.

    Aber wie will man unter einer Währung, unter einem Rettungsschirm die Anpassungsprozesse erzwingen? Das geht doch nur, in dem die Staaten ihre Souveränität in wichtigen, essenziellen politischen Fragen aufgeben. Das halte ich, selbst wenn es durchführbar wäre, für extrem problematisch und unerwünscht. Letztlich bedeutet es für diese Völker weniger Demokratie, Brüssel ist weit weg und zu wenig demokratisch legitimiert. Es gibt eben auch noch keinen europäischen Demos. Der Grieche soll Grieche, der Italiener soll Italiener und der Deutsche soll Deutscher sein. Ich mag die kulturelle Vielfalt, die Vielfalt der Mentalitäten, die Unterschiede in den Kulturen. Denn Europas Stärke ist die Vielfalt, die unterschiedlichen Lösungsansätze zu politischen aber auch anderen Problemen. Da kann man von guten Lösung wie schlechten nur lernen. Die Vielfalt ist fruchtbar, weil sie unerwarteten Lösungen und Entwicklungen Raum gibt.

    Unsere hochgelobte einheitliche Währung scheint nicht so unproblematisch zu sein, da sie anscheinend eine politische Union erzwingt. Dabei kann viel verloren gehen.

  2. Carmen 19. Januar 2012 / 12:15

    Danke für Ihren Kommentar. Überzeugend in der Diskussion fand ich die Hinweise von Sinn und Verheugen auf die problematischen Seiten einer Volkswirtschaft, die auf den Titel „Exportweltmeister“ so stolz ist und dabei nur eine Seite der Medaille sieht.

    „Exportüberschüsse bringen nur virtuellen Reichtum in Form von Schuldzetteln, deren Gegenwert von den wirtschaftlich schwächeren Ländern nicht geleistet werden kann.“ (Hans Werner Sinn, nachzulesen im Blog sozialliberal)

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