Trotz Doktor-Titel verrechnet?

Die kleine Frankfurter Wählergemeinschaft FAG (Flughafenausbaugegner) hatte bei den drei Kommunalwahlen 2001, 2006 und 2011 den höchsten Anteil von Doktor-Titeln auf ihren Kandidatenlisten. Allerdings nicht, weil so viele politisch interessierte und versierte Akademiker – Politologen, Soziologen, Juristen – die Verhinderung des Flughafenausbaus zu ihrer Sache machten, sondern weil auf dem Lerchesberg, dort ist die Geschäftsstelle der FAG, viele Ärzte und Zahnärzte wohnen, die zwar in der Regel schwarz-gelb wählen, aber zuhause ihre Ruhe haben wollen. Die Wählergemeinschaft gibt gerne an, sie hätte circa Hundert Mitglieder, um der Wahrheit genüge zu tun sollten davon aber 40-50 Prozent abgezogen werden. Darin enthalten sind auch ein paar Frankfurter, die mal vor vielen Jahren der FAG gespendet haben und seitdem fälschlich als Mitglieder geführt werden, zumindest werden sie zu allen Sitzungen eingeladen. Ich weiß das, weil es sich in zwei dieser Fälle um eine Freundin und einen Nachbarn handelt.

Weil die FAG bei der letzten Kommunalwahl nur noch 1,4 Prozent und damit keinen Fraktionsstatus mit all seinen Annehmlichkeiten erhielt, wechselte der übrig gebliebene FAG-Stadtverordnete Dr. Dr. Rainer Rahn flugs in die FDP-Fraktion. Ich habe darüber in einer Post vom 21.6.2011 berichtet, die von vielen ehemaligen FAG-Mandatsträgern kommentiert wurde.

Wenn man etwas Positives über diesen Mann sagen möchte, dann dies: Er kennt sich aus mit dem Flughafenausbau und seinen Folgen. Es ist also verständlich, dass es Rahn schwer fällt, zu der Lärmsituation nach Eröffnung der Landebahn zu schweigen. Vergessen hat er aber, dass er, zumindest in der Stadtverordnetenversammlung, am Tropf des glühenden Ausbaubefürworters FDP hängt. Die findet jetzt auch Rahns Äußerungen über Beschränkungen des Flugverkehrs am Tage gar nicht lustig. Bei den Jungen Liberalen hätten Rahns Worte Fassungslosigkeit ausgelöst und zu Zweifeln geführt, ob Rahn in der liberalen Fraktion richtig aufgehoben sei, schreibt heute die FNP.

Zum gleichen Sachverhalt hat sich heute auch ein Leser in der FNP geäußert:

„Die Flughafenausbaugegner haben in so eklatanter Weise die Wähler betrogen, dass es schon dreist ist, jetzt bei der Oberbürgermeisterwahl zu kandidieren. Bei der Kommunalwahl 2011 haben rund 2600 Personen (zugegebenermaßen nicht viel) die FAG gewählt. Alle sind um ihre Stimmen betrogen worden, weil der einzige Stadtverordnete der FAG nach der Wahl mit wehenden Fahnen zur FDP gewechselt ist. Eine unglaubwürdigere Gruppierung gibt es wohl kaum.“ (Roland Zellinger, zitiert aus der FNP)

Könnte es also sein, dass die Rechnung der FAG, den Protest der Fluglärmopfer zu nutzen, um die Wählergemeinschaft bzw. die OB-Kandidatin ins Gespräch zu bringen, nicht aufgeht?

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s