Liebe Mely, das ist kein Fliegenschiss

Was ist mit Mely los? Rücken die Berliner jetzt näher zusammen? Hat Mely – wie weiland Katja Kullmann mit Hans-Olaf Henkel – eine Zigarette mit Christian Wulff geraucht, und ist – anders als Katja – dem Charme des Mächtigen erlegen?

Wer heute Melys Kolumne in der FR gelesen hat, dürfte ziemlich irritiert sein.

Denn Mely will vom Leser wissen:

„Ist es nicht ganz normal, dass auch ein Ministerpräsident in Geldnöte kommen kann?“

„Was ist falsch daran, wenn Unternehmer ihr Geld statt in den Rachen einer Bank in den bedürftigen Schlund eines Freundes werfen?“

„Wenn es stimmt, dass Wulff schnell viel Geld brauchte, dann hat er das gemacht, was viele machen würden: einen stinkreichen Kumpel um ein günstig verzinstes Darlehen bitten“

und Mely resümiert:

„Ein pikantes aber privates Angelegenheitleinchen wird beharrlich und unerbittlich zu einem Politskandal hochgelabert.“

Was heißt hier Geldnöte? Niedersachsen hat seinem Ministerpräsidenten Wulff jeden Monat 12.700 Euro überwiesen. Davon kann man auch seiner zweiten, jungen Gattin ein angemessenes Domizil bieten. Vielleicht erstmal zur Miete, aber das ist ja nicht unzumutbar.

Der Bürger vermutet zu Recht, dass die Freunde Wulffs wahrscheinlich keine Freunde wären, wenn Herr Wulff keine herausragende politische Funktion im Land hätte, die dem „Kumpel“ vielleicht nochmal nützlich ist. Vorzuwerfen ist Wulff sein Mangel an Gespür für das angemessene Verhalten, ja durchaus für seine vorbildhafte Rolle als Ministerpräsident mit Hang zu Höherem.

Leute, die glauben, „schnell viel Geld zu brauchen“, nicht zum bloßen Überleben oder um eine teure Zahnarztrechnung zu zahlen oder den Heimaufenthalt der dementen Eltern zu finanzieren, sondern für ein neues Eigenheim, haben die westliche Welt in die Scheiße geritten, liebe Mely.

Der Leitartikel von Stefan Hebel in der FR vom 15.12.2011 hat den Fall klarer beleuchtet.

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5 Gedanken zu “Liebe Mely, das ist kein Fliegenschiss

  1. jackotrade4u 17. Dezember 2011 / 20:02

    von Carmen und ebenso von Stefan Hebel alles wunderbar formuliert!
    Danke! …. und wer ist Mely?

  2. Carmen 17. Dezember 2011 / 20:08

    Mely Kiyak ist seit Jahren die – von mir geschätzte – Samstags-Kolumnistin der Frankfurter Rundschau. Vor drei Jahren hat sie einen wunderbaren Leitartikel zum Jahreswechsel geschrieben: „Nur Mut“

  3. Hackentrick 18. Dezember 2011 / 11:55

    Bin völlig Deiner Meinung, Carmen. Was mich zunehmend ärgert, ist das immer häufiger zu beobachtende mangelnde Feingefühl ranghöherer Politiker oder Wirtschaftsbosse im Umgang mit moralischen Fragen. Sei es ein Guttenberg oder aktuell der Wulff. Da fehlt mir immer mehr die Bodenhaftung und der eigene Respekt vor dem Amt, das sie bekleiden oder ausgeführt haben…

    • Jack O'Trade 18. Dezember 2011 / 17:41

      Was unsere „Herrschenden“ treiben, ist grotesk und staatsschädigend! Wenn ich die Selbstgerechten in der Politik sehe/höre, die sich wie die Hyänen auf jeden stürzen, der „gefehlt“ hat, bekomme ich einen heiligen Zorn im Bauch, weil es hier tatsächlich nur noch um Macht und Einfluss geht. Grundsätzlich ist es unseren Politikern jedoch vollkommen egal, was das dumme Wahlvolk von ihnen denkt, zumal der deutsche Michel bekanntlich nur über eine sehr kurzlebige Erinnerung verfügt.

  4. Carmen 18. Dezember 2011 / 18:09

    Ich habe heute ein wenig in „Narzissmus und Macht“ von Hans-Jürgen Wirth geblättert. Er schreibt:

    „Die Tragik der Politik besteht darin, dass man in ihrem Rahmen nicht erfolgreich handeln kann, wenn man sich ausschließlich an Kriterien der Moral und der Wahrheit orientiert. (…) Ein „guter“ Politiker muss einerseits so flexibel sein, dass er kompromissfähig ist und sich nicht ängstlich an kleinkarierte Prinzipien klammert, jedoch darf er andererseits kein prinzipienloser Opportunist sein, denn in entscheidenden Augenblicken sollte er verantwortungsbewusst und moralisch integer handeln und entscheiden können.“

    Es ist also ein schmaler Grat, auf dem der Politiker sich täglich bewegt und er ist darauf angewiesen, dass wir, das Volk, ihn für glaubwürdig halten. Viele WählerInnen machen es sich aber allzu leicht und lassen die BLÖD entscheiden, wem sie glauben sollen.

    Ich erinnere hier nur noch mal an Ypsilanti und das von der BLÖD zu Tode gehetzte rot-grüne Projekt in Hessen.

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