Schwarz-gelb gewählt – Fluglärm bekommen

18,5 Prozent der Zweitstimmen konnte die FDP bei der Landtagswahl 2009 im am meisten vom Flughafenausbau betroffenen Frankfurter Wahlkreis 37 erringen und zwar mit diesem Plakat:

Wie deutlich hätte es die FDP noch formulieren sollen, dass die Interessen von Fraport im Fokus ihrer Politik stehen?

Der Chefarzt, der Anwalt, der Implantologe vom Lerchesberg hat seine Interessen, d.h. eine wirtschaftsfreundliche Politik gewählt (CDU-Ergebnis im Wahlkreis 37: 34,7 %, ergibt 53,2 % für schwarz-gelb) und bekommen. Die Überflughöhen über Sachsenhausen nach Eröffnung der Nordwest-Landebahn waren da längst bekannt.

Die Direktkandidatin der SPD, Petra Tursky-Hartmann, hat 2009 23,2 % der Erst- und 18,1 % der Zweitstimmen erhalten. Sie hat sich 2008 auf den Seiten der BI Sachsenhausen folgendermaßen zum Flughafenausbau geäußert:

„Ich vertrete nun mal für die Sozialdemokraten die Position, dass es für die Menschen, die ich vertrete, um Arbeitsplätze geht. Denn sie haben in der Regel als einziges Kapital und Eigentum nur ihre Arbeitskraft. Bildung und Weiterbildung ist deshalb oftmals das Einzige, was ihnen ihr Überleben in dieser Gesellschaft sichert. Deshalb ist der einzige gemeinsame Nenner, den die SPD in der Frage des Flughafenausbaus mit Ihren Zielen hat, das Nachtflugverbot. Und da haben Sie mein Versprechen.“

Das war nicht viel, aber immerhin eine verlässliche Aussage, im Gegensatz zum Nachtflugverbot der CDU.

Die Grünen, als einzige landesweite Partei der Flughafenausbaugegner, haben im Wahlkreis 37 nur 19,2 Prozent der Stimmen erhalten. Wenn also heute die Millionäre auf dem Lerchesberg den Aufstand proben, weil es über ihren Köpfen laut wird, muss ich leider sagen: Selber schuld!

Aber anstatt nun Druck auf die Parteien auszuüben, die den Flughafenausbau und damit die Verlärmung des Rhein-Main-Gebietes überhaupt erst möglich gemacht haben, wird auf die Grünen geschimpft:

„Die versuchen jetzt, sich an die Spitze der Bewegung zu setzen“, sagte BIS-Sprecherin Ursula Fechter. Dabei hätten die Grünen in den vergangenen Jahren aktiv überhaupt nichts gegen den Flughafenausbau unternommen. Fechter sieht vor allem ein Motiv für die Aktivitäten: „Die sehen bei der OB-Wahl ihre Felle davonschwimmen.“ Die BIS-Sprecherin forderte die Grünen auf, die Koalition mit der CDU zu beenden, „wenn ihnen das Thema Fluglärm wirklich wichtig ist“. (FNP 6.12.2011)

Ich erinnere an dieser Stelle gern noch einmal daran, dass Rainer Rahn – von Frau Fechter inthronisierter Spitzenkandidat der Flughafenausbaugegner (FAG), der bei der Kommunalwahl 2011 für die FAG nur noch ein Mandat erringen konnte – im Juni zur FDP-Fraktion gewechselt ist. Und zwar mit dem Argument: „Der Ausbau des Flughafens spielt in der Stadtverordnetenversammlung ja ohnehin keine Rolle mehr“.

Wer ernsthaft die Interessen der Fluglärmgeplagten vertritt, hat keinen Grund, gegen den einzigen wirklichen Verbündeten zu hetzen. Es sei denn, es geht wieder einmal um das eigene Ego und nicht um das Thema.

Advertisements

2 Gedanken zu “Schwarz-gelb gewählt – Fluglärm bekommen

  1. Bert Horn 15. Januar 2012 / 07:23

    Von wegen „die einzig Verbündeten“. Die Grünen sind mittlerweile genau so scheinheilig, verlogen und korrupt wie all die anderen Parteien.
    1. Die Grünen haben im Bund für den Ausbau des Frankfurter Flughafens plädiert.
    2. In den Ortsbeiräten (hier OBR Frankfurt 5) werden von den Stadtverordneten Forderungen nach Stillegung der neuen Landebahn unterstützt und Im Römer dagegen gestimmt bzw. entsprechende Anträge abgelehnt.
    Und das sind nur die zwei markantesten von mehreren Beispielen.
    …einfach nur ekelhaft!

  2. Carmen 15. Januar 2012 / 10:57

    Das sehe ich ganz anders: Die von Ihnen genannten Beispiele zeigen, dass Politik nur dann den Ausgleich zwischen den verschiedenen Interessen herstellen kann, wenn Sie vom Wähler dazu ermächtigt wurde.

    Der Wähler hat aber die Schaffung von Arbeitsplätzen durch den Ausbau des Flughafens höher gewertet, als die Lärm- und Schadstoffbelastung, wie man an den Wahlergebnissen deutlich ablesen kann.

    Die Grünen sind die einzigen konsequenten Ausbaugegner im Hessischen Landtag, viele Grüne sind seit 30 Jahren aktiv gegen den Moloch Flughafen. Für größere Parteien ist es nahezu unmöglich, bei einem solchen Verkehrs-Infrastrukturprojekt die verschiedenen Interessen der Regionen und der jeweiligen Flügel innerhalb der Partei auf eine gemeinsame Linie zu bekommen. Das liegt im Wesen der Demokratie.

    P.S. Ich lese nicht gern unsachliche Beschimpfungen in meinem Blog: Können Sie mir für Ihre Behauptung, die Grünen seien korrupt, einen Beleg liefern?

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s