Römerberggespräche 3.12.2011

Der Chagallsaal im Frankfurter Schauspielhaus war voll besetzt, als ich verspätet zur Diskussion von Erik Buhn, Nicole Deitelhoff und Frank Rieger unter dem Motto: „Alle Gewalt geht vom … aus. Wie organisiert man Dissens?“ eintrat.

Erik Buhn, Alf Mentzer, Nicole Deitelhoff, Frank Rieger

Erik Buhn hält die derzeitigen Erwartungen an Occupy für überzogen. Man könne von ihnen noch keine neuen Antworten erwarten. Im Camp wolle man jede Stimme hören und würdigen – während die Gesellschaft Toleranz verlernt habe, übe man sie im Camp.


Dass man nur kritisieren dürfe, wenn man sofort einen Alternativvorschlag für ein gesellschaftliches Problem habe, nannte auch Prof. Dr. Nicole Deitelhoff von der Goethe-Uni demokratie-theroetisch unsinnig.

Frank Rieger, Sprecher des Chaos Computer Club (CCC) und Mit-Moderator beim podcast Alternativlos! brachte einen weiteren wichtigen Aspekt in die Diskussion über soziale Bewegungen: Als freiwillige und ehrenamtliche Zusammenschlüsse müssten sie auch darauf achten, ihre Mitglieder nicht zu demotivieren. Ob der CCC Staatstroyaner analysiert, Occupy eine Presseerklärung verschickt oder eine Bürgerinitiative eine Demo vorbereitet, es geschieht das, worauf die Engangierten Lust haben und nicht, was irgendein Beobachter als notwendig oder sinnvoll erachtet.

Zum Abschluss der Römerberggespräche sprach Claus Leggewie, dessen Buch ich gerade gelesen habe zu „Zukunftskammern – Wie partizipative Demokratie 2030 aussehen könnte“. Unter Zukunftskammern versteht Leggewie eine „durch Losverfahren ermittelte Kammer“ mit „originär politischen Aufgaben, die Anregungs-, Beratungs- und/oder Entscheidungskompetenzen“ erhält. Diese ausgelosten Gremien sollen auf Augenhöhe mit den anderen politischen Akteuren gebracht werden. Erste Erfahrungen zeigten, dass ausgeloste Bürger eine hohe Gemeinwohlorientierung aufweisen.

Zum Ende seines Vortrags kritisierte Leggewie die Larmoyanz der Bürger:

„Dieses Land ist so stinkreich, die Stadt Frankfurt sowieso, dass der Satz „Ich kann nichts machen, ich bin ohnmächtig“, immer einer Ausrede gleichkommt“.

(Eine ausführlichere Würdigung der Römerberggespräche hat Jürgen Fenn in seinem Blog Schneeschmelze veröffentlicht.)

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