OccupyFrankfurt trifft DGB-Jugend

Gerade habe ich einer Freundin noch erzählt, wie angenehm sachlich und freundlich der Kommunikationsstil der Occupys z.B. bei den täglichen Asambleas ist. Und auch bei der Demo am 29.10. habe ich den Unterschied zu den üblichen Demos stark empfunden. Dadurch, dass keine Parolen gerufen wurden, bauten sich auch keine Aggressionen auf. Die Occupy-Demo am 5.11. hatte offensichtlich andere Frontleute und war dadurch auch „klassischer“, unterschied sich also nicht von linken Demos, die ich von früher kenne.

Das Besondere an Occupy ist aber der neue Stil – ich wünsche sehr, dass die Aktiven ihn beibehalten können.

Wie schwer das sein kann, hat offenbar die gestrige Podiumsdiskussion „Occupy: Wer oder was ist diese Bewegung?“ mit jungen Gewerkschaftern im DGB-Haus gezeigt. Laut FAZ kam es bei der Veranstaltung zu lautstarken Tumulten:

„Stein des Anstoßes ist das Verbot aller Symbole politischer Organisationen bei Occupy-Demonstrationen. Ein halbes Dutzend Vertreter von IG Metall, DGB und Verdi meldet lautstark Protest gegen dieses aus seiner Sicht allzu rigorose Vorgehen bei den jüngsten Kundgebungen in Frankfurt an. Die Stimmung ist plötzlich aufgeheizt, ja feindselig. Von „Jung-Faschisten“ und „Zuständen wie 1933“ ist die Rede. Antworten vom Podium bleiben aus oder gehen im Chaos unter.“ schreibt die FAZ heute.

Ich befürchte die jungen Gewerkschafter (alles kleine Machos?) sind noch nicht reif für die neue Demokratie. (Nachtrag: Das war eine Fehleinschätzung, siehe Kommentar)

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2 Gedanken zu “OccupyFrankfurt trifft DGB-Jugend

  1. indignadosffm 9. November 2011 / 13:33

    Wir waren ebenfalls als Zuhörer bei der Podiumsdiskussion. Die jungen Gewerkschafter hatten keine Probleme damit, auch mal auf Symbole zu verzichten. Man spürt, dass sie die Annäherung oder zumindest das Gespräch mit Occupy Frankfurt suchten. Die Camper betonten ja auch, dass es keineswegs um ein Verbot von Symobolen ging, sondern man einfach das Ziel hat, den Dialog zwischen Menschen zu erleichtern. Und stehen Symbole halt tatsächlich manchmal im Weg. Die sehr lautstarke und angesprochene Kritik kam eher von älteren Gewerkschaftlern – und diese Stimmen war zwar sehr laut, aber in der Minderheit.

  2. Carmen 9. November 2011 / 14:08

    Danke für die Info. Ich gehöre selbst zu den in den 80ern Politisierten, wie wahrscheinlich viele der älteren Gewerkschafter gestern Abend. Mit lautstarken Beschimpfungen wie z.B. „Faschist“ oder „Nazi“ waren wir früher schnell. Protestkundgebungen, Demos, Diskussionen, all das diente damals auch dem Spannungsabbau in einer als beklemmend empfundenen Kohl-Ära. Die neue Demokratiekultur muss jetzt von vielen Älteren erst eingeübt werden.

    Ich empfinde den selbstbewussten Protest von Occupy auch deshalb als einen großen demokratischen Gewinn, weil er mir nicht aus Minderwertigkeitsgefühlen gespeist scheint.

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