„Letzte Fischer“ von Volker Harry Altwasser

Was ist eine Kurznasenseefledermaus? Was macht ihre Haut so wertvoll, dass für einen Fisch mehr als zweihundertausend Euro bezahlt werden?

Auf kein Buch war ich nach Lektüre der diesjährigen Longlist-Leseproben (Longlist = die 20 nominierten Romane für den Deutschen Buchpreis) mehr gespannt als auf „Letzte Fischer“ von Volker Harry Altwasser.

Altwasser kennt sich aus auf dem Meer, hat er doch selbst als Matrose gearbeitet. Der Roman ist streckenweise spannend und auch lehrreich: Ich werde mich in Zukunft vehement gegen Walfang aussprechen, nie wieder den Analog-Fisch Pangasius essen, mich ausführlich über Fischfarmen informieren, meiner Tochter ein Buch über Libellen schenken und meinen nächsten Urlaub an der Ostsee verbringen.

Trotz all dieser Wirkungen und einer durchaus angenehmen Leseerfahrung hat der Roman bei mir den Eindruck hinterlassen, dass der Autor zuviel wollte. Was es mit der Haut der Kurznasenseefledermaus auf sich hat, erfahren wir leider nicht, dafür alles über das Peter-Pan-Syndrom.

Überhaupt: Die schwachen Männer, die nicht reden können, die starken – weil emotionalen – Frauen, dieses Motiv hat mir Altwasser zu dick und vor allem zu pädagogisch aufgetragen. Auch der permanente Konjunktiv hat mich anhaltend irritiert.

Altwasser hat Auszüge seines Textes beim Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb in Klagenfurt vorgetragen. Ich stimme mit Bedauern der Beurteilung der Jury zu: „Kann Anspruch nicht einlösen“.

Volker Harry Altwasser: „Letzte Fischer“, 503 Seiten, ISBN 978-3-88221-554-0, 24 Euro.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s