Widmann widerspricht Schirrmacher

„Es geht nicht darum, Einstürze, Bankrotts also, zu verhindern. Es geht darum, sie möglichst früh, also möglichst kostengünstig passieren zu lassen. Das ist sicher keine linke Idee. Das ist aber auch keine rechte Idee. Das ist vernünftig. Es ist das Vernünftige, das schwer zu tun ist. Besonders in einem Land, das Jahrzehnte lang marode Industrien durchgefüttert, ganze Landstriche miternährt hat, ein Land also, das sich in Ost und West daran gewöhnt hat, dass es irgendwie schon funktionieren wird.“ (Arno Widmann in der FR vom 20.8.2011)

Arno Widmann widerspricht in seiner Betrachtung der Auffassung von Schirrmacher, es würde sich im linken Ideenspektrum eine Lösung der Systemkrise finden. Und auch mit Moral kommen wir nicht weit, sagt Widmann. Es fehle nicht an Werten, die habe auch die Sparkassenangestellte, die ahnungslosen Kunden schlechte Papiere anbietet – es fehle am Rückgrat, uns allen (Eine schöne Ausnahme ist Judith Holofernes in ihrer Antwort auf die BLÖD-Anfrage: Herzenshygiene). Darum gäbe es in unserer Demokratie Institutionen, Gesetze, Regeln.

„Wir leben mitten in einem Systemwechsel. Wir werden einhundert Jahre brauchen, um zu begreifen, wie er sich abgespielt hat.(…)“ (Widmann)

Viele Intellektuelle versuchen in den letzten Jahren, unsere Situation zu begreifen, einzuordnen, neue Wege aufzuzeigen, neben Arno Widmann z.B. Richard David Precht, Peter Zudeick, Gunter Dueck, Harald Welzer und viele mehr. Die Aufgabe der Politik wäre, den Menschen die Wahrheit zu sagen und die lautet u.a.: Der Staat ist keine fürsorgliche Mama und der Bürger ist kein Kind, das nur besonders laut schreien muss, um die größte Portion zu bekommen. Das gilt natürlich auch für Bank-Manager etc.

„Krawall ist kein Programm. Krawall ist ein Aufruf: Verunsichert, was euch verunsichert. Angezündete Autos sagen nichts, als dass es Menschen gibt, die sich nachts zusammentun, um Autos anzuzünden.(…) Aber denken wir daran, dass wir in einer Gesellschaft leben, in der man zwanzigtausend Euro einfach so auf die Straße stellt und empört ist, wenn ihnen etwas passiert? Wir machen uns nicht klar, in welchem Glück wir leben, und es fällt uns schwer zu begreifen, dass dieses Glück bröckelt. Es hat etwas Obszön-Dummes, dass wir nicht begreifen wollen, in was für einer Ausnahmesituation wir aufwuchsen, in welchem kostbaren Moment der Weltgeschichte, dass wir ihn einfach als Normalfall nehmen.“ (Arno Widmann, FR 20.8.11)

Hier widerspreche ich Widmann. Der Mittelklasse-Wagen ist das, was uns eine wachstumshörige Gesellschaft als Wohlstand verkauft hat. Der Auslandsurlaub, der Flachbildschirm, die Marken-Klamotten machen ja gerade nicht glücklich, sondern leer. Insofern hoffe ich auf die Chance in der Krise. (Zur meiner Post Glück statt Wachstum)

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