Ehec in Frankfurt (2) – Kein Grund zur Beruhigung

In einem Artikel in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung hat die Biologin Miriam Ruhenstroth heute darauf hingewiesen, dass es keinen Grund zur Beruhigung in Sachen Ehec gibt. Krankheitserreger wie Coli- oder Ehec-Bakterien können im Uferschlamm oder im umgebenden Boden von Fließgewässern viele Jahre überleben. Das heißt, dass z.B. die Menschen im Frankfurter Norden, wo der Ehec-Erreger im Erlenbach gefunden wurde, auch in Zukunft ihre Kinder (und Hunde) nicht am Ufer spielen lassen sollten. Das Problem betrifft allerdings sämtliche Fließgewässer, in die Abwässer eingeleitet werden, d.h. in dicht besiedelten Gegenden alle Bäche und Flüsse.

Die Ursache des Problems liegt darin, dass Kläranlagen nur 99,9 Prozent der Keime beseitigen.

„Wenn man weiß, dass in einer Abwasserprobe, die in der Kläranlage ankommt, zwischen hundert Millionen und einer Milliarde Bakterien pro Milliliter enthalten sind, dann können Sie sich ausrechnen, welchen Effekt das hat“, so der Molekularbiologe Wolfgang Eichler vom Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz Nordrhein-Westfalen.

Ein Grund für die gefährliche Konzentration von Bakterien in Abwässern ist, dass in Deutschland Krankenhausfäkalien ungefiltert in die Kanalisation eingeleitet werden – eine Lücke in der Abwasserverordnung, die ansonsten für Autowerkstätten und Molkereien genaue Grenzwerte vorsieht. Die Mischung aus Kolibakterien und Antibiotika, die in der Kanalisation zusammentrifft, ist hochgefährlich.

Während in der Schweiz seit einigen Jahren die Klärwerke aufgerüstet werden, ist in Deutschland derzeit nichts dergleichen geplant.

(Zitate aus: „Die dunkle Seite des Wassers“ von Miriam Ruhenstroth in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung vom 17.7.2011)

Link zu meiner Post „Ehec in Frankfurt“ vom 17. Juni 2011

Nachtrag vom 11.8.2011: Nach Aussage von Rene Gottschalk, Leiter des Frankfurter Gesundheitsamtes, war der Ehec-Erreger, der im Erlenbach gefunden wurde, nicht von der tödlichen Sorte, siehe Artikel in der FR vom 11.8.2011.

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