Aufbrechen 2: Ende der Dienstleistungsgesellschaft

„Etwa die Hälfte aller Deutschen wird sich in den nächsten 10 oder 20 Jahren einen neuen Job suchen müssen“ (Gunter Dueck in „Aufbrechen – Warum wir eine Exzellenzgesellschaft werden müssen“)

Eine solche Entwicklung ist nichts Neues, sagt Dueck. Das ging den Webern vor 200 Jahren so, den Bauern vor 50 Jahren und es wird morgen den Bankern und Versicherungsvertretern so gehen. Dienstleistungen werden automatisiert und dadurch höchstwahrscheinlich sogar besser.

Banken, Fluggesellschaften, Deutsche Bahn – die klassischen Dienstleistungsunternehmen sind seit Jahren dabei, den Kunden-Service zu reduzieren. Wir machen jetzt schon so ziemlich alles selbst. Anfangs ärgern wir uns noch und stellen uns in der Hoffnung auf persönliche Bedienung in die Warteschlange, die es nur noch mit einem Service-Aufschlag gibt, irgendwann probieren wir es doch am Automaten und sehen, es ist einfach und geht viel schneller. Merkwürdigerweise wird aber die Dienstleistung nur unwesentlich billiger dadurch. Bei der Bank bekommen wir nur noch Beratung, wenn wir ein „Premium-Kunde“ sind, also mindestens 50.000 Euro auf dem Konto haben, dennoch zahlen fast alle Kunden weiter überhöhte Kontoführungsgebühren.

Einfache Dienstleistungen werden wir bald zuhause per Internet oder am Automaten vor Ort erledigen. Es werden nur noch wenige, dafür aber hochqualifizierte Angestellte gebraucht. Der Rest muss sich einen neuen Job suchen.

Das ist die Zukunft, da nützt kein Jammern und Klagen.

„An den Stammtischen tobt seit Langem die Diskussion, ob die Globalisierung uns nützt oder die anderen bevorteilt. Die Arbeitskräfte finden, es schade ihnen selbst. Die Unternehmer glauben, dass die neue Technologie per Saldo allen nützt. Die Wahrheit ist wohl ganz simpel die, dass eine wirklich breit zu nutzende neue Technologie erst überhaupt allen schadet, weil sie viel zu viel Altes abschafft und dadurch einen Wirtschaftsknick auslöst. Denn zunächst einmal kosten die Veränderung und der „Neubau“ der Welt viel Geld und erfordern eine große Umstellung. Erst einige Jahre später nutzt die Technologie allen, die es sich in der neuen Welt gut einrichten konnten. Aber dieses „Sich einrichten“ in der globalisierten Wel bleibt uns nicht erspart. (…)

Ich plädiere dafür, das Weinen zu lassen. Ich rate davon ab, das Sterben mit Subventionen länger als nötig zu verzögern.“ (Gunter Dueck)

Werden die Regierungen der nächsten Jahre diesen Rat beherzigen (können)? Die von der SPD erfundene Abwrackprämie, die den Automobilunternehmen ermöglicht hat, „ein volles Jahr ganz ohne Forschung für die Zukunft weiter Gewinne zu machen“ (Dueck) macht da wenig Hoffnung.

Wo wir gerade bei der SPD sind: Vor zwei Wochen traf sich die Frankfurter SPD zum Parteitag, um über ihr miserables Ergebnis bei der Kommunalwahl zu diskutieren. Nur noch 21, 3 Prozent der WählerInnen in Frankfurt gaben der SPD im März ihre Stimme. Klaus Oesterling, SPD-Fraktionsvorsitzender im Frankfurter Römer und sicher ein geduldiger Mensch, hat seine Parteifreunde aufgerufen, sich endlich der geänderten Realitäten zu stellen: Frankfurt sei keine Industriestadt mehr, sondern eine Dienstleistungsstadt.

Nicht mehr lange, Genossen! Ich fürchte, bis die SPD sich endlich den sogenannten „neuen Wählerschichten“ öffnet, gibt es sie nur noch als aussterbende Art.

Weitere Posts zum Buch in diesem Blog: Aufbrechen 3 und Aufbrechen 4.

Ein Gedanke zu “Aufbrechen 2: Ende der Dienstleistungsgesellschaft

  1. LOB 25. Februar 2014 / 12:03

    Hat dies auf LOB's Metier rebloggt und kommentierte:
    lesenswerter Beitrag, so aktuell und doch schon drei Jahre alt

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