Schröder kontra Schwarzer

„Für das Prinzip „Karriere wird nach Feierabend gemacht“ bezahlen viele Frauen also gleich doppelt: Zum einen mit eingeschränkten beruflichen Aufstiegschancen, wenn sie nach Feierabend nicht Karriere, sondern die Kinder bettfertig machen. Zum anderen mit dem Verzicht auf Unterstützung durch den Ehemann oder Partner, weil Männer, die sich familiäre Fürsorgeaufgaben mit ihrer Partnerin teilen, aus denselben Gründen wie Frauen um die eigene Karriere fürchten müssen.“ (Familienministerin Kristina Schröder in der Frankfurter Allgemeinen vom 10.4.2011)

Moderne Gleichstellungspolitik ist auch Männerpolitik, denn nur wenn auch Männer die Chance haben, andere Rollen einzunehmen als die klassische Ernährerrolle, ändert sich wirklich etwas für Frauen, meint Schröder. In ein paar Tagen werden wir vermutlich in Alice Schwarzers neuer Hauspostille „BILD“ eine polemische Erwiderung zu Schröders Argument für eine neue Geschlechterpolitik finden.

Wie hat Iris Radisch (ausführlicher in meinem Blogbeitrag: Feminismus ist nicht Glück sondern Erkenntnis) es so schön auf den Punkt gebracht:
Es geht nicht um Vereinbarkeit von Beruf und Familie, weil es in Wirklichkeit nichts zu vereinbaren, sondern immer nur etwas zu addieren gibt.

Das ist das Dilemma der Frau mit Familie oder Familienwunsch und darauf haben kinderlose Feministinnen keine Antwort. Weil dieser Lebensentwurf sie nicht interessiert, aber das muss er auch nicht. Jede, wie sie will. Nur möge dann bitte eine kinderlose Lesbe keinen Alleinvertretungsanspruch für weibliche Interessen erheben.

Als ich den Feminismus kennenlernte, gab es eine esoterische und eine pragmatische Richtung. Damals, in den 80ern, verbrachte ich eine Woche auf einem Frauenbauernhof in Norddeutschland. Angereist aus einem Wetterauer Dorf in meiner roten Ente mit dem großen Frauenzeichen, war ich, eine junge, gewerkschaftlich aktive Angestellte, konfrontiert mit vegetarischen Lesben, die gerade darüber nachdachten sich noch eine Milchkuh anzuschaffen, abends nach Hamburg in die Frauendisko fuhren und im Selbstverlag feministische Bücher veröffentlichten. Es war faszinierend, aber nicht mein Ding. Ich war eher der pragmatische Typ, gleicher Lohn für gleiche Arbeit, aber auch gleiche Rechte – gleiche Pflichten.

Damals hatten wir es mit einer völlig anderen Arbeitswelt zu tun. In den letzten 20, 25 Jahren haben die Arbeitsverdichtung und der Druck enorm zugenommen. Das Arbeitsklima heute ist familienfeindlich, weil jeder täglich Höchstleistungen bringen soll. In der Familie aber gelten andere Prioritäten als im Job. Hier sollen Mütter und Väter entspannt sein, aufmerksam und offen. Eltern müssen täglich neu diesen Spagat zwischen völlig unterschiedlichen Lebensformen versuchen.

Wir brauchen einen neuen Feminismus, der hier ansetzt. Und da scheint mir Kristina Schröder auf dem richtigen Weg zu sein.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s