Doktor-Titel im Fach Selbstmarketing

„Sobald seine Worte nicht mehr im weiten Raum des Wohlklangs unanfechtbar dahin schweben, wirkt Guttenberg schnell unsicher.“ (Eckart Lohse und Markus Wehner in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung vom 20.2.2011)

Gestern abend während einer CDU-Veranstaltung im hessischen Kelkheim wurde aus dem Guttenbergschen „Ich werde bis zum Ergebnis dieser (Plagiats-) Prüfung vorübergehend, ich betone vorübergehend, auf das Führen des Titels verzichten“ der dauerhafte Verzicht auf das Führen des Doktortitels.

Ja, Herr Guttenberg, so ganz en passant eine wissenschaftliche Arbeit zu schreiben, neben der Doppelbelastung als Familienvater und dem Beruf, ist nicht jedermanns Sache. Welcher Beruf nochmal? Uups, in den ersten beiden Jahren, die Herr Guttenberg an der Arbeit saß, hatte er ein Aufsichtsratsmandat bei der Rhön AG (wie oft kam der Aufsichtsrat zusammen: 3-4 mal jährlich?), an der die Familie Guttenberg 26,5 Prozent der Stammaktien hielt, und ein Sommerpraktikum bei der Tageszeitung „Die Welt“, von Guttenberg im Lebenslauf als „Freier Journalist bei einer Tageszeitung“ hochgepusht. (FAS vom 20.2.11: Die Studierstube ist seine Bühne nicht)

Schade, dass es keinen Titel für herausragendes Selbstmarketing gibt.

Wie Guttenberg aber plötzlich ganz volksnah über den „Blödsinn“ spricht, den er in seiner „Doktorarbeit“ geschrieben hat und dem gemeinen CDU-Wähler in seiner Akademiker-Abneigung beispringt, das ist schon eine rhetorische Leistung. (lies: Pitt von Bebenburg in der FR vom 22.2.2011)

Nachtrag: „Doch alle, die sich jetzt um Guttenberg aufbauen, werden Schaden nehmen. Wer wider besseres Wissen und wider bessere Einsicht diesem Minister die Verantwortung abnimmt, akzeptiert ihn als Maßstab für das eigene Handeln. Er sagt damit: Es ist erlaubt, sich etwas zu erschleichen, was man nicht aus eigener Kraft schafft. Er sagt: Es ist richtig, Menschen, die Vertrauen in einen setzten, zu hintergehen. Er sagt: Es ist richtig, dass man für sein Handeln keine Verantwortung übernehmen muss. Jeder, der den Minister Guttenberg jetzt verteidigt, verschiebt die Maßstäbe für moralisches Handeln in eine Richtung, die die Grenze zwischen Recht und Unrecht verschwimmen lässt.“ (Brigitte Fehrle in der Frankfurter Rundschau vom 23.2.2011)

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