Das eigene Leben im Facebook-Format

Die englische Schriftstellerin Zadie Smith schreibt heute in einem interessanten Artikel („Generation Warum?“) in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung über den Film „The Social Network“, den Facebook-Gründer Mark Zuckerberg und den Wunsch – oder besser die Haupttriebkraft – ihrer Generation, beliebt zu sein.

„Je mehr ich mich mit der Generation Facebook befasse, desto überzeugter bin ich, das ein Großteil der sie prägenden Software ihrer unwürdig ist. Sie sind interessanter, sie haben Besseres verdient“, meint Smith.

Smith erzählt, dass Zuckerberg sich für grundsätzliche Fragen zu Privatsphäre und Öffentlichkeit nicht interessiere, es gehe ihm bei Facebook ausschließlich darum, Menschen miteinander zu „verbinden“. Doch was verbindet sich da? Reduzierte und auf die Erfordernisse von Informationssystemen zusammengestutzte „Profile“, zitiert Smith den Autor von „Warum die Zukunft uns noch braucht“ Jaron Lanier.

„Was auf einer Website wie Facebook nur noch als Datenmenge existiert, ist ein reduzierter Mensch geworden. Alles ist eingeschränkt – Charakter, Freundschaften, Sprache, Empathie. In gewisser Weise ist es eine neue Erfahrung von Transzendenz: Wir verlieren unseren Körper, unsere Gefühle, unsere Bedürfnisse, unsere Angst. Wer das liberal-bürgerliche Menschenbild ablehnt, muss wissen, was an dessen Stelle treten soll. Social Networking macht uns nicht freier, sondern abhängiger„, so Smith.

„Sollten wir uns nicht gegen Facebook wehren? Dort wird alles auf die Größe seines Gründers reduziert. (…) Und besonders wichtig sind persönliche Belanglosigkeiten, weil Mark Zuckerberg glaubt, Freundschaft bestehe im Austausch von persönlichen Belanglosigkeiten. (…) Wir wollten online leben. Es versprach so toll zu werden. Aber was für ein Leben ist das? Treten wir für einen Moment von unserer Facebook-Pinnwand zurück: Sieht sie nicht ein bisschen lächerlich aus? Das eigene Leben, in diesem Format?“

Zadie Smith hat übrigens wunderbare Romane geschrieben, z.B. „Zähne zeigen“, (Übersetzung: Klaus Timmermann, Ulrike Wasel; Verlag: Kiepenheuer & Witsch, 643 Seiten; 12,95 Euro, ISBN-13: 9783462042443ISBN-10: 3462042440), das sich auch als Weihnachtsgeschenk für die beste Freundin eignet.

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