Frauenabend mit Jan und Heinrich

Heine-AbendGestern habe ich einen ausgesprochen netten Abend mit zwei Freundinnen verbracht. Erst Pizza, Pasta, Rucola und Wein beim Italiener, danach Premiere von Jan Seghers und dem Heine Quartett „Was aber ist die Liebe?“ in der Buchhandlung Schutt.

Wir waren ausgelassen und fröhlich und hätten eine hervorragende Vorlage für Peter Lückemeiers Kolumne in der FAZ abgegeben, in der er sich gern über feiernde Frauen über 40 ausließ. Aber, das ist das Schöne an dem Alter: Was interessiert uns die Meinung von unattraktiven alten Kerls!

So nun zur Premiere: Jan Seghers hat mit seiner schönen Vorlesestimme Texte von Heinrich Heine, Francois Villon, Gustav Flaubert, Bert Brecht, André Gorz u.a. vorgetragen und wurde dabei auf kongeniale Weise von den Musikern des Heine Quartetts mit Werken von Bach, Mozart, Händel, Schostakowitsch etc. begleitet.

Viele der vorgetragenen Liebesgedichte kannte ich, habe sie aber lange nicht gelesen. Wieder zuhause hab ich ein bisschen in Anthologien geblättert und fand eines meiner früheren Lieblingsgedichte, das auch sehr gut in dieses Programm gepasst hätte:

Erklär mir, Liebe (Letzte Strophe)

Erklär mir, Liebe, was ich nicht erklären kann:
sollt ich die kurze schauerliche Zeit
nur mit Gedanken Umgang haben und allein
nichts Liebes kennen und nichts Liebes tun?
Muß einer denken? Wird er nicht vermisst?

Du sagst: es zählt ein anderer Geist auf ihn…
Erklär mir nichts. Ich seh den Salamander
durch jedes Feuer gehen.
Kein Schauer jagt ihn, und es schmerzt ihn nichts.
(Ingeborg Bachmann)

Jan Seghers und das Heine Quartett sind am 18.12.2010 in der Frankfurter Romanfabrik zu sehen.

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2 Gedanken zu “Frauenabend mit Jan und Heinrich

  1. Textaroma 24. November 2010 / 09:54

    Was für eine wundervolle Strophe, die neugierig macht auf das ganze Gedicht. Danke für den poetischen Moment 🙂

    • Carmen 24. November 2010 / 16:28

      Gern geschehen. Allerdings – wenn ich erst mal anfange zu rezitieren, find ich schwer ein Ende. Also noch eins:

      Nichts ist so bitter wie nicht geliebt zu sein
      Erfinde mir keinen Trost, den hab ich andern auch erteilt
      Nichts tröstet Liebe, die nicht erwidert wird
      zur Peitsche wird die verbliebene Freundlichkeit
      Um sechs Uhr morgens wärmt mich das Meer nach der Kälte der Nacht

      Frage mich und ich sage dir:
      Dorthin und so niemals wieder
      Frage mich und ich sage dir:
      Weil ich noch leben will
      ich
      zuckendes Herz unter rastloser Nadel
      demütig und nicht geliebt
      lehne mich dennoch an deine Schulter
      und beinahe schon bist du es nicht mehr
      unter der Schminke grau vor Mut bin ich:
      Ich, ungeliebt, hab es noch einmal versucht
      Das hat sich gelohnt

      Aus Gisela Steineckert: „Weibergedichte“, Verlag Neues Leben, Berlin 1976

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