Zaimoglu in Rom

„Bei Tageslicht besehen ist diese Stadt ein Traum aus Tomaten und Mozarella, Himmel und Erde, und die antiken Ruinen haben andere Farben als der historische Schutt anderer Städte, und die Römer werden es nie lernen, ihre Autos aufzuschließen, ohne dass die Alarmanlage angeht. Es scheint alles ein großer Spaß zu sein, man neckt sich, man verträgt sich, Hauptsache das Haargel tropft nicht ins Gesicht, Hauptsache, die Spaghettiträger der Bluse verdecken die BH-Träger. Die Familie geht vor, fremde Kinder werden in die Wange gekniffen, und wenn die eigenen Kinder komisch werden, setzt es vor allen Leuten Ohrfeigen.“

Feridun Zaimoglu hat über seinen Aufenthalt in der Villa Massimo 2005 einen wunderbar witzigen und skurrilen Roman geschrieben: „Rom intensiv„.

Dem Roman sind drei „Zugaben“ angefügt, in denen Zaimoglu zeigt, das er auch eine andere Sprache sprechen kann: „Hier die Herabgefallene, ein geschnürtes Bündel, das vom hohen Ast herabgefallen ist – dieses Bild gab sie mir ein. Keinen Mund und keine Augen sah ich, keine kleine Kinnkerbe, die mir erst viel später auffallen sollte. Unsere Blicke trafen sich nie an jenem Tag, da ihr Herz überlief und ich der Nächste war, der zur Verfügung stand.“ Da fiel mir Ingeborg Bachmann und ihre Undine ein. Bachmann starb 1973 in Rom.

Das Stipendium der Deutschen Akademie Rom Villa Massimo und der Deutschen Akademie Rom Casa Baldi ist die bedeutendste Auszeichnung für deutsche KünstlerInnen im Ausland und wird in den Sparten Bildende Kunst, Literatur, Musik (Komposition) und Architektur vergeben. Die Stipendiaten werden zu einjährigen Studienaufenthalten in die Villa Massimo oder zu drei Monate dauernden Aufenthalten in die südöstlich von Rom in Olevano Romano gelegene Casa Baldi eingeladen. Dort können sie als Stipendiaten in zehn Ateliers (Casa Baldi:zwei) kostenlos wohnen und arbeiten und erhalten ein monatliches Stipendium von 2.500 Euro.

Berühmt gewordene Stipendiaten der Villa Massimo sind z.B. Hans Magnus Enzensberger, Uwe Johnson, Peter Rühmkorf und Hanns-Josef Ortheil. Zu den Stipendiaten der letzten Jahre gehören Terèzia Mora, Ingo Schulze, Petra Morsbach, Andreas Maier und Navid Kermani.

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