Buchmesse: Thorsten Schäfer-Gümbel

„Gerecht Denken – lokal Handeln. Kommunalpolitik als Gegenmacht“: Thorsten Schäfer-Gümbel hat heute im Gespräch mit Hans-Jochen Vogel und dem Chefredakteur des Vorwärts Uwe Knüpfer sein im November erscheinendes Buch vorgestellt. Christian Ude wäre als amtierender Münchner Oberbürgermeister und humorvoller Mensch sicher ein passenderer Gesprächspartner gewesen, er hätte auch die großen Finanznöte der Kommunen realistisch schildern können. Doch das Publikum goutierte sichtlich die Anekdoten von Hans-Jochen Vogel.

Thorsten Schäfer-Gümbel hat die Bedeutung der Kommunalpolitik hervorgehoben: Die eigene Gemeinde, die Heimatstadt entscheidet über die Lebensqualität des Einzelnen. Die Kommunen entscheiden z.B. über Ausbau von Busverkehr und U-Bahnlinien und damit darüber, ob ich autofrei leben kann. Sie entscheiden über den Ausbau der Kinderbetreuung und damit, ob Mütter und Väter arbeiten können und wieviel Stunden täglich. Sie helfen die Nahversorgung mit Lebensmitteln zu sichern, ob der öffentliche Raum kinderfreundlich ist, etc.

Schäfer-Gümbel hat durchaus routiniert, aber engagiert die Probleme der Kommunen benannt. Er hat dabei die richtigen Fragen gestellt: Wie erreichen wir die gesellschaftliche Teilhabe aller Bürgerinnen und Bürger? Zum Thema Bürgerbeteiligung hat er auf das Problem hingewiesen, dass es überwiegend die gut situierten und gebildeten Menschen sind, die sich beteiligen und also entscheiden. Welche Antworten Schäfer-Gümbel auf die Probleme hat, werde ich nach der Lektüre seines Buches berichten.

In Frankfurt will die SPD, vorneweg der vom Oberbürgermeisteramt träumende SPD-Vize Peter Feldmann, einen Bürgerhaushalt einführen, der einen „konkreten Geldbetrag in Höhe von 50 Mio. Euro vorsieht, über den die Bürgerinnen und Bürger selbst entscheiden“ (Feldmann). Ich glaube, man sollte auch den Altruismus des wohlhabenden linken Bürgertums nicht überschätzen. Insofern darf man fragen, wem das Geld dann zugute käme. Ein Redakteur der Frankfurter Neuen Presse, ich glaube es war Thomas Remlein, hat einmal darauf hingewiesen, dass es auch ein demokratisches Recht darauf gibt, sich nicht für Politik zu interessieren. Wofür wählen wir denn Stadtverordnete, zahlen Aufwandsentschädigungen, wenn wir ihnen gleichzeig die Entscheidungsbefugnis entziehen?

Buchbesprechung „Gerecht Denken – lokal Handeln. Kommunalpolitik als Gegenmacht“ hier im Blog

Nachtrag: Zur Buchmesse 2011 und einem kurzen Besuch beim Vorwärts Stand mit Thorsten Schäfer-Gümbel geht es hier.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s