Gejammert wird nicht

Russinnen sind stark. Sie sorgen für das schwache Geschlecht und ihre Kinder, sie jammern nicht über ihr hartes Leben, sie arbeiten, sind diszipliniert und kämpferisch.

Schon als ich vor Jahren „Plötzlich ist es Abend“ von Petra Morsbach gelesen habe, habe ich diesen Frauentyp kennengelernt. Inzwischen habe ich eine russische Freundin und sie entspricht diesem Bild auf fast gespenstische Weise. Sie ist gegenüber dem Hallodri an ihrer Seite loyal, aber niemals unterwürfig, sie steuert das Familienschiff zur Not allein, sie hat keine anderen Wünsche als ein gutes Leben für ihre Kinder.

So eine Frau ist auch Rosalinda, die Protagonistin in Alina Bronskys Roman, der es auf die Longlist für den Deutschen Buchpreis geschafft hat: „Die schärfsten Gerichte der tartarischen Küche„. Schade, dass solche Bücher keine Chance haben auf den Preis. Es muss was Exprimentelles (ohne Satzzeichen) oder was monumental Langweiliges sein („Der Turm“).

Was wird aus Menschen, die jahrzehntelang um alles Lebensnotwendige anstehen, feilschen, kungeln müssen? Die nie den Luxus kannten, sich nach ihren „eigenen Bedürfnissen“ zu richten, die kein „Zimmer für sich allein“ kennen, nur zwei Zimmer für vier Leute mit Gemeinschaftsküche und -klo. Rosalinda will unbedingt ein besseres Leben für ihre Familie, darin ist sie unerbittlich. Diese Unerbittlichkeit führt sie schließlich mit ihrer Enkelin nach Deutschland.

Ein sehr lesenswertes Buch von einer jungen Autorin, die als Jugendliche von Russland nach Deutschland kam.

Alina Bronsky liest auf der Frankfurter Buchmesse: Am Sonntag, dem 10.10.2010 um 13 Uhr im Lesezelt auf dem Messegelände.

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