Im Roten Club

Katja Kipping, Andrea Ypsilanti, Armin Schild

Gestern abend war ich im „Roten Club“, so nennt sich eine neue Veranstaltungsreihe von Andrea Ypsilanti. Der kleine Saal im Titus-Forum im Frankfurter Nordwestzentrum war voll besetzt. Vor allem ältere, männliche Genossen wollten dem Streitgespräch zwischen der Bundestagsabgeordneten Katja Kipping (Die Linke.) und dem IG-Metall-Funktionär Armin Schild zum Thema „Bedingungsloses Grundeinkommen“ folgen.

Andrea Ypsilanti war eine sichtlich gut gelaunte Gastgeberin. Nach dem Wahl-Desaster 2008 und ihrem Rücktritt als SPD-Landeschefin im Januar 2009 war es einige Zeit ruhig um sie gewesen. Doch mit der Gründung des Instituts Solidarische Moderne am 31. Januar 2010 gemeinsam mit vielen bekannten Linken, Grünen und parteilos Engagierten zeigte Ypsilanti, dass sie die persönliche Niederlage weggesteckt hat und weiterhin an der politischen Idee festhält. Das nötigt mir gehörigen Respekt ab.

Auch wenn ich mich gerade in diesen Tagen besonders darüber ärgere, wie die SPD die Chance auf die Macht in Hessen vergeigt hat. Was wäre das für ein Aufbruch gewesen: die Arbeitertochter Andrea Ypsilanti und der Offenbacher Bub Tarek Al Wazir als Regierungschefs. Stattdessen müssen wir „Kochs Mann fürs Grobe“ Volker Bouffier und den „Wetterauer Presskopf“ Jörg-Uwe Hahn ertragen.

Zurück in den Roten Club. Erkannt habe ich von den Gästen nur Gregor Amann, ehemaliger SPD-Bundestagsabgeordneter und die unvermeidliche Ulli Nissen, Vorsitzende der SPD-Frauen Hessen-Süd.

Katja Kipping, als Verfechterin des bedingungsloses Grundeinkommens erläuterte ihre Vorstellungen: Zahlung an jeden Menschen in Deutschland (ca. 800 – 1000 Euro), keine Pflicht zur Aufnahme einer Erwerbsarbeit, Finanzierung durch das reichste Drittel der Gesellschaft.

Armin Schild, wie Kipping ebenfalls Mitglied des Instituts Solidarische Moderne, war als Gegenstreiter eingeladen. Schild nannte die Idee eines Grundeinkommens zwar machtpolitisch utopisch aber „haptisch“. Utopie sei eine unbedingt notwendige und viel zu wenig beachtete Dimension des Handelns. Mit dieser Einführung wurde mir Schild sofort sympathisch, er sprach klar, respektvoll und freundlich. Sein Verhalten passte so gar nicht zu meinen seit Jahren gepflegten Vorurteilen gegenüber männlichen Gewerkschaftern. (Als ich noch sehr jung war, sollte mein Traummann Gewerkschaftssekretär oder wenigstens hauptamtlicher Betriebsrat sein, das entsprach damals meiner Vorstellung eines Kämpfers. Späterhin allerdings sollte mein Traummann aus Norddeutschland stammen, Feminist sein und mittels einer Psychoanalyse seine Beziehungsfähigkeit verbessert haben. Ähem, ich schweife ab…)

Schild plädierte für eine Verteilungsdebatte, die Vermögensverteilung werde von der Idee des Grundeinkommens nicht berührt. Auch solle man das deutsche soziale Sicherungssystem, das immerhin zwei Weltkriege und zwei Weltwirtschaftskrisen überlebt habe, nicht leichtfertig aufs Spiel setzen.

Ich habe mir nach diesem Abend kein abschließendes Urteil zum bedingungslosen Grundeinkommen gebildet. Aber das Thema verleitet zur Frage, wie wir leben wollen und darüber sollten wir uns viel öfter Gedanken machen.

Hier geht es zum Artikel über meinen 2. Besuch im Roten Club

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