Hat Susan Pinker recht? (Teil 1)

Seit Wochen liegt Susan Pinkers Buch „Begabte Mädchen, schwierige Jungs – der wahre Unterschied zwischen den Geschlechtern“ ganz oben auf meinem Lesestapel, aber ich hatte keine Lust, es in einem Zug durchzulesen. Stattdessen habe ich am vergangenen Wochenende „Die Geschichte der Liebe“ von Nicole Krauss gelesen, ein unglaublich schöner Roman, verschachtelt wie eine russische Puppe und nach einmaligem Lesen sicher nicht in seiner ganzen Größe zu erfassen. (Rowohlt Tb Verlag, 352 Seiten, 9,95 Euro) Ausführliche Besprechung liefert aus.gelesen.

Die Thesen von Susan Pinker sind in feministischen Kreisen sicher zumindest grob bekannt, kürzlich habe ich in meiner Rezension zu Schrupps Buch „Was wäre wenn?“ ein Interview mit Pinker in der FAZ zitiert. Tenor: Die Tatsache, dass der Frauenanteil in den beruflichen Toppositionen auf relativ niedrigem Niveau stagniert, liegt nicht allein an den männlichen Ausschlussverfahren, sondern auch an den Frauen:

„Nur zehn, fünfzehn Prozent der Frauen wollen sich bis an die Spitze durchbeißen – und sind bereit, dafür so viel zu opfern, wie Männer das tun. Den meisten Frauen ist der Chefsessel nicht wichtig. Eine erfolgreiche Frau sattelt gerne um, einen Mann spornt der Erfolg zu noch mehr Ehrgeiz an“. (Pinker)

Natürlich ist das eine provokante These, aber ist sie deshalb falsch? Gestern hat Antje Schrupp getwittert, dass sie Pinker nicht gelesen hat, nur eine Rezension auf Forum für Philosophie und Politik. Das hat mich überrascht, denn in vielen Punkten überschneiden sich die Auffassungen der beiden Autorinnen.

Was kommt nach der Gleichstellung, fragt Schrupp und Pinker antwortet: Die Frauen machen, was sie wollen!

Seit Jahrzehnten beklagen wir uns über die mangelnde Präsenz von Frauen in Führungspositionen, aber wollen wir selbst ganz nach oben? „Bleib mir von!“, wie die Norddeutsche sagt. Susan Pinker bringt viele Beispiele von Frauen, die beruflich ganz oben waren und dann ausgestiegen sind oder auf halbem Weg kehrt gemacht haben.

Mich erinnert das eine berufliche Situation vor einigen Jahren: Mein Chef war damals dauerhaft erkrankt, meine Kollegin und ich haben mehr als ein Jahr die Arbeit des Chefs übernommen. Beide haben wir am Ende dieser Zeit keine beruflichen Vorteile aus der Situation gezogen. Meine Kollegin hat sich entschlossen, sich ganz ihrer größer werdenden Familie zu widmen, ich entschied mich für eine bessere Balance zwischen Beruf und Privatleben und reduzierte meine Arbeitszeit. Die meisten Männer hätten völlig anders reagiert, aber für uns war klar, unsere Gesundheit, die Familie, unsere Lebensfreude ist wichtiger.

Susan Pinker: Begabte Mädchen, schwierige Jungs – Der wahre Unterschied zwischen Männern und Frauen, Pantheon Verlag, 17,95 Euro

2.Teil der Besprechung

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3 Gedanken zu “Hat Susan Pinker recht? (Teil 1)

  1. spinnzessin 17. Juni 2010 / 14:40

    Ich weiss auch nicht ob man das verallgemeinern kann, aber wenn ich mir beispielsweise unsere Bundeskanzlerin anschaue – einfach weil sie hierzulande das prominenteste Beispiel ist für eine Frau, die es bis ganz oben geschafft hat – wöllte ich wirklich dafür so sein/werden wie sie – z.B. nicht alles sagen zu dürfen aus Rücksicht auf die Koalition – und wöllte ich so einen Job wirklich machen?

    Die Antwort ist ein schlichtes: NEIN.

    Egal ob Bundeskanzlerin oder Chefin eines großen Unternehmens, auch wenn das eine realistische Möglichkeit wäre, bei der Vorstellung so einen Job zu haben rührt sich bei mir gar nichts.

    Sicher würde ich auch gerne etwas bewegen im Leben, etwas zum Guten verändern, aber nicht um jeden Preis.

    Und darum, ja ich denke schon, daß es auch an uns Frauen liegt, daß es so wenige weibliche Führungskräfte gibt.

    Die Fähigkeiten wären sicher da, aber oft mangelt es am Wollen.

    Es gibt schließlich noch andere Dinge im Leben – zum Glück!

    • umamibuecher 17. Juni 2010 / 14:50

      Ich bin sicher, frau kann jede Menge bewegen, von jedem sozialen Ort, nicht nur als Führungskraft. Gruß, Carmen

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